The Rolling Stones

Some Girls (Reissue, 2CD)

Veröffentlicht: 18.11.2011 / Universal Music

Von: Sascha Knapek

The Rolling Stones

Keine Frage, die Rolling Stones haben in den vergangenen 50 Jahren viele herausragende Platten und vielleicht sogar noch mehr mit zahlreichen Hits gepflasterte Best-Of-Veröffentlichungen rausgehauen. Was genau die besten Studioalben der Stones ausmacht, ist ein kleiner Anachronismus. Denn weder das legendäre "Exile On Main St.", noch das nun restaurierte und mit Bonusmaterial wiederveröffentlicht "Some Girls", wartet mit Gassenhauern der Marke "Wild Horses", "(I Can’t Get No) Satisfaction" oder "Jumpin‘ Jack Flash" auf. Vielmehr sind es die außergewöhnliche Atmosphäre und das dichte Gesamtkunstwerk, die den 1978 veröffentlichten Longplayer zu einer ähnlich unumgänglichen Hausnummer machen, wie die Nellcôte-Sessions.

Der Punk lugte zur "Some Girls"-Zeit um die nächste Hausecke, nicht wenige verbanden mit den Stones den althergedienten Status quo des Rock’n’Roll. Ob es nun dieses Kratzen am Ego, oder die Großtatenqualitäten von Jagger, Richards und Co. waren, die es möglich machten ein derartiges kämpferisches und nicht verschnaufendes Werk aus den Knochen zu schütteln, ist unterm Strich egal. Die Hauptsache sind zehn Tracks, die den Geist der Zeit mit der Vergangenheit der Stones zusammenbrachten und ein Album ohne Ausfälle ergaben. Natürlich fehlen im Rückblick die Radiohits, aber dafür bekommt man unter anderem "When The Whip Comes Down", "Lies", "Before They Make Me Run" und "Shattered" – weit mehr als nur eine angemessene Entschädigung.

Auch für die Wiederveröffentlichung von "Some Girls" hat das Stones-Camp wieder in den Archiven gewühlt und adäquates B-Material gefunden, das diesen Namen im Prinzip gar nicht verdient. Zwölf starke Outtakes und Songs, die in der Zeit der Albumaufnahmen auf Tape bebannt wurden, befinden sich auf dem Bonus-Silberling. Die kreative Eigenwilligkeit dieser Stones-Phase merkt man bei akustisch angehauchten Nummern wie "Don’t Be A Stranger" ebenso, wie bei den enthaltenen Adaptionen von "Tallahassee Lassie" und dem Hank-Williams-Track "You Win Again". Bevor die 80er einen Teil des Mythos der Rolling Stones unter Synthies und Pomp begraben sollten, hatten die Engländer noch einmal einen vollen Tank, um der Nachwelt eine grandiose Zeitkapsel zu hinterlassen.

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