Good Intentions

Der Name Tom Lüneburger hört sich zunächst unspektakulär an. Auch der Typ auf dem Cover sieht eher unscheinbar aus. Wie eine Mischung aus Kurt Krömer und Ralph Caspers. Aber Tom Lüneburger hat in den vergangenen zehn Jahren fast alle Höhen und Tiefen des Musikgeschäfts kennengelernt, vornehmlich als Frontmann, Songwriter und Gitarrist der Berliner Band myballon, die sich 2006 überraschend auflöste.
Und was macht ein Sänger, dem plötzlich die Band abhanden gekommen ist und der auch persönlich eine schwere Zeit durchmacht? Richtig! Er schreibt Songs. Erste Gehversuche als Solokünstler, nur mit Gitarre und Gesang, in seiner Kreuzberger Lieblingsbar folgen. Tom Lüneburger merkt, dass es funktioniert. Mit neuem Management und Produzent Giovanni Nicoletta beginnt er im Sommer/Herbst 2008 mit den Aufnahmen zu seinem ersten Soloalbum "Good Intentions". Einige erfolgreiche Supportslots für Silbermond, Bosse, Gregor Meyle oder Bobby Long später, liegt das Album nun in seiner fertigen Fassung vor - und übertrifft alle Erwartungen.
Ich habe wirklich selten so wenig über ein Album schreiben können wie über dieses. Nicht etwa weil es so schlecht wäre. Das Gegenteil ist der Fall. "Good Intentions" ließe sich im Grunde auch mit einem einzigen Adjektiv beschreiben: Weltklasse! Aber ein bißchen mehr soll es dann doch sein...
"Good Intentions", das sind zehn wunderbar gefühlvolle Songs. Jeder für sich ein kleines Kunstwerk in überwiegend akustischem Gewand. Hier und da gibt es mal einen Hauch Schlagzeug oder eine sorgsam eingestreute E-Gitarre. Ansonsten hat Tom Lüneburger den Sound auf das Wesentliche reduziert: Eine Melodie voll purer Leichtigkeit, dazu eine Akustikgitarre und eine Stimme, die dem Ganzen die nötige Intensität und atmosphärische Tiefe verleiht. Begleitet wird Tom Lüneburger dabei von Earl Harvin an Drums und Bass, Christof Clemens am Piano, Arne Augustin (ebenfalls Piano), dem Gitarristen Godi Hildmann sowie Jens Meyer und seinem Vater Gerald Lüneburger an Akkordeon und Querflöte. Allein man hört sie kaum, so einfühlsam musiziert das Sextett um Tom Lüneburger herum.
"Good Intentions", das ist auch ein Album, auf dem Tom Lüneburger mit grosser Stilsicherheit sehr persönliche Geschichten erzählt. Geschichten über Schmerz, Einsamkeit und andere Verletzungen der Seele, aber auch Geschichten über Freiheit und Selbstverwirklichung. Manche dieser Momente möchte man festhalten und immer wieder hören. Gibt es ein grösseres Kompliment für eine Platte? Draußen hält langsam aber sicher der Frühling Einzug und Tom Lüneburger liefert den passenden Soundtrack dazu. Für all das was danach kommt, hat er die Messlatte damit zwar verdammt hoch gelegt, doch ich bin sicher, dass er sie mit weiteren Veröffentlichungen nicht reißen wird, wenn er nur seinen Weg so unbeirrt weitergeht wie bisher. Für mich ist "Good Intentions" jedenfalls schon jetzt eines der besten Alben des noch jungen Jahres!