The Alphabet Of Hurricanes

Mit seinen ersten beiden Alben "Tom McRae" (2000) und "Just Like Blood" (2003) verzauberte uns der englische Singer/Songwriter Tom McRae durch ein kurzes, kraftvolles Fingerschnippen. Songs wie "You Only Disappear", "Ghost Of A Shark", "A & B Song" oder ganz besonders das wundervolle "Walking 2 Hawaii" waren an ästhetischer Tragweite kaum zu überbieten. Irgendwo zwischen David Gray und Nick Drake entstanden zwei große Alben, die nur leider ein eklatantes Manko hatten: McRae ließ ihnen in den Folgejahren eher durchwachsene Songkost folgen und die Vorschusslorbeeren in der Ecke verwelken. "All Maps Welcome" (2005) und "King Of Cards" (2007) waren zwar keine Totalausfälle, aber an die dunkle Schönheit von "Just Like Blood" und dessen Vorgänger reichte nur wenig des neuen Songmaterials heran.
Das brandneue, fünfte Studioalbum heißt jetzt "The Alphabet Of Hurricanes" und entstand im Lauf der letzten drei Jahre. McRae nahm die Songs häppchenweise auf und ließ sich mit dem Entstehungs- und Fertigungsprozess Zeit. Den Stücken merkt man das äußerst positiv an. Der Engländer überlässt nichts dem Zufall und schmückt jeden Track gewohnt dicht aus. Die Grenzlinie zu überladener Opulenz streift der 40-jährige dabei aber zum Glück so gut wie nie. Endlich erinnern die vertrackten Arrangements wieder an den frühen Tom McRae, dem keine Idee zu viel oder zu gewagt erschien und der es trotz aller Gedankenvielfalt verstand kurzweilige Songs mit Tiefe aus dem Ärmel zu schütteln.
Tom McRae ist mit "The Alphabet Of Hurricanes" wieder beim wütenden Kampf mit sich und der Welt angelangt. Beim Umherreisen kam ihm der Gedanke zur Zeile mit den Wirbelstürmen und dem Alphabet – die Benennung der Stürme erfolgt entlang des Alphabets. Der Song, in dem sie fällt, fehlt allerdings auf der Platte. Vielleicht war die Zeit für McRae und seinen direkten Kampf mit dem starken Wind von allen Seiten noch nicht reif. In erster Linie hat er jetzt ein Album abgeliefert, das zu den Großtaten der Anfangstage aufschließt. Alles ist immer in Bewegung, in der Schwebe, am Abgrund. Wenige vertonen diese innerlichen Kämpfe und innere Unruhe eindrucksvoller als Tom McRae. Fazit: Wieder auf dem Zettel, der Name.