Ego Anthem

So ganz sind die Youngsters von Tracedawn den Kinderschuhen noch nicht entwachsen – das erkennt man auf den Promofotos zum zweiten Release "Ego Anthem". Doch musikalisch haben die Finnen um Mastermind Tuomas Yli-Jaskari und Shouter Antti Lappalainen noch einen ordentlichen Sprung nach vorne gemacht. Überraschend kam schon das Debüt innerhalb der Metalgemeinde an. Düstere Klänge aus Finnland sind ja nun keine Seltenheit und so wundert es nicht, dass Gitarrist Yli-Jaskari seine musikalischen Vorstellungen in dieser Richtung verwirklichen wollte und 2006 per Internet nach gleichgesinnten Mitstreitern suchte. Das Ergebnis war die Band Tracedawn mit ihrem gleichnamigen Erstling 2008, der eine interessante Mischung aus Deathcore und melodischem Metal zu bieten hatte.
Die Grundausrichtung ist noch ein ganzes Stück härter geworden und die Einflüsse aus den Power-, Trash- und Death-Schubladen wurden noch stärker in das Geschehen verwoben. Brachiale Gitarrenriffs und ausschweifende Solo-Eskapaden beherrschen die Szenerie – ständige Tempowechsel inklusive. Lappaleinens Vocals driften mir leider etwas zu sehr in die Screamo-Gefilde ab. Schade, dass melodische Elemente nun sehr in den Hintergrund treten und Clean-Vocals nur noch am Rande stattfinden. Die Produktion ist allerdings glasklar und macht damit auch die aggressiven Vokalpassagen zu klanglichen Highlights.
Zeit zum Durchatmen bleibt kaum. Die enorme Geschwindigkeit wird konsequent durchgehalten und selbst das abschließende, zumindest im Ansatz ruhiger gehaltene "The Forsaken" endet im keyboardgetragenen Temporausch. Yli-Jaskari hat hier mit technisch sehr versierten Mitmusikern ein junges Sextett geschaffen, das sich vor der betagten Konkurrenz nicht zu verstecken braucht. Besucher des Rock Hard und des Wacken Open Airs können davon mit Sicherheit Zeugnis ablegen.