Various Artists

A Tribute To Die Fantastischen Vier (2 CD)

Veröffentlicht: 07.08.2009 / Columbia / Sony Music

Von: Andreas Weist

Various Artists

Welche deutschen Stars kamen in der Vergangenheit schon zur Ehre eines waschechten Tribute-Albums, mit dem ein illustrer Kollegenkreis seine Ehrerbietung zollte? An das "Familienalbum" zur Huldigung des verstorbenen Rio Reiser kann ich mich erinnern – und an die "Götterdämmerung" für die Ärzte, in der sich weiland die Fanta 4 an "Madonnas Dickdarm" versuchten. Nun sind sie selbst Mittelpunkt des Geschehens. Grund? 20 überaus erfolgreiche Jahre im Showgeschäft, die sie von den Niederungen des Deutschen Sprechgesangs – zu einer Zeit, als dieses Genre erst erfunden werden musste – hin zu den ultimativen Charterfolgen führten.

Michi Beck, Thomas D, Smudo und And.Ypsilon machten sich das erste Geschenk selbst: nämlich die "Heimspiel"-Konzerte mit Orchester auf der Cannstatter Wasen. Und das zweite Geschenk kommt aus dem Kollegenkreis, der unter Federführung von Andreas "Bär" Läsker das schlicht "A Tribute To Die Fantastischen Vier" betitelte Werk auf die Beine stellte.

Die Künstler und ihre Interpretationen könnten vielseitiger nicht sein. Revolverheld starten mit gitarrenlastig verrockten Klängen und einem halbwegs gelungenen Rap-Versuch. Warum der Song allerdings "Was geht Version 2009" heißen muss, verstehe ich nicht. Alle Songs wurden doch speziell für dieses Album eingespielt. Oder ist dieser zweimal verwendete Zusatz ein Hinweis auf geplante Single-Veröffentlichungen? Wir werden sehn.

Schon im zweiten Song überrascht Sebastian Krumbiegel (Die Prinzen) bei "Dicker Pulli" mit einem von Percussion begleiteten A-cappella-Intro und einer Interpretation, die einen Hauch von Beach Boys in sich trägt. Und Roger Cicero legt "Geboren" mit einer vom Piano unterlegten Swing-Melodie vor. Variantenreicher könnte der Start kaum sein. In Extremo lassen den Refrain von "Yeah, Yeah, Yeah" dann von Kinderstimmen singen, während das Stück sehr heavy rüberkommt und stilgerecht per Harfe, Sackpfeife etc. instrumentiert wird. Zwei Bands, die ich nun gar nicht kenne: 7 Faces bieten eine akustisch-entspannte Version von Sommerregen. Und Mamas Gun verhunzen "Die da!?!" in einer beschwingten englischsprachigen (!) Version, die nun gar nicht mein Fall ist.

Beeindruckender dann wieder Naidoos Auslegung von "Krieger", das sowieso das Beste ist, was die Fanta 4 abseits der Hitparaden produziert haben. Knorkator lassen sich nicht verleugnen und machen "G. Boren" zur Comedy-Ballade mit Piano und Streichern. Thomas Godoj zeigt sich mal wieder gekonnt deutschrockend, den Ostrockern Puhdys gelingt für "MFG" überhaupt keine Eigenständigkeit und Scooter liefern "Troy" halt mit dem üblichen Megaphon-Gebrüll ab. Authentisch, aber viel zu vorhersehbar. Da bringt mich die Retro-NDW-Idee für "Mehr geben" von Fehlfarben schon eher zum Schmunzeln.

CD 2 startet mit Mario Barth, der im Sprechgesang zu Easy-Listening-Musik "Dicker Pulli" berlinert. Juli geben "Er muss raus" melancholisch mit einem ungewöhnlichen, groovenden Melodiebogen. Altmeister Maffey nuschelt sich durch den Krieger-Song und Sasha packt mal wieder sein Alter Ego Dick Brave aus, um "Die da!?! " zu neuer Blüte zu verhelfen.

Karpatenhund setzen die Lyrics von "Paranoia Blues" sehr gut um. Musikalisch hat der Song was von einem Tarantino-Soundtrack. Pur wären bei "MFG" gar nicht zu erkennen, wenn Englers prägnante Stimme nicht wäre. Und dann – oh Gott – Thomas Anders. Die Elektromucke a la Polarkreis 18, mit der sein "Geboren" begleitet wird, macht das Stück dann gar nicht so schlimm wie befürchtet. Die nächsten Ostrocker (Karat) kommen mit ungewöhnlich leisen, filigranen Tönen daher. Clueso interpretiert "Hoffnung" gewohnt relax. Und zum krönenden Abschluss darf Dieter Nuhr ran. Der Meister des gesprochenen Wortes labert munter über akustisches Gitarrengeplänkel. Überraschend hat er dann aber einen ganz ordentlichen Rap drauf und glänzt zu guter letzt mit einer coolen Reinhard Mey-Parodie.

Dem Variantenreichtum sind keine Grenzen gesetzt – und das macht die Compilation letztlich aus. Die Skiptaste wird jeder ab und zu mal bemühen müssen. Doch alles in allem sind die 36 Titel eine gekonnte Hommage an die Stuttgarter Truppe. Das haben sie sich verdient. Die Doppel-CD hat ein schön gemachtes Booklet mit vielen lustigen Fotos von Bär Läsker. Sehr liebevoll gemacht. Dann gibt es wohl noch eine Version im Hardcoverformat mit Bonus-DVD, zu der ich allerdings keine Angaben machen kann.

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