Various Artists

Bravo - The Hits 2010 (2 CD)

Veröffentlicht: 19.11.2010 / Polystar / Universal Music

Von: Andreas Weist

Various Artists

Wenn man nach einigen Jahren Rückschau halten will, was denn die Popmusik im Jahr X zu bieten hatte, gibt es ein probates Mittel: Man greift zur "Bravo – The Hits" Compilation des betreffenden Jahres. Hier erfährt man zielsicher, was die größte deutsche Musikzeitschrift – zugleich Hauptmeinungsbildner für Hunderttausende pubertierende Jugendliche – für "in" hielt und was von ihr mit dem entsprechenden Hype versehen wurde.

Wir blicken also auf 2010. Es war Fußball-WM in Südafrika, zeigt sich an den Titeln "Waka Waka", "Wavin‘ Flag", "Helele" und "Marchin‘ On". Deutschland gewann den Eurovision Song Contest, so  sind natürlich Lena, aber auch die norwegischen Pausenfüller Madcon vertreten. Es war ein Jahr der starken Frauen, die den Dancefloor beherrschten: Rihanna, Kate Perry, Lady Gaga, Chery Cole, Ke$ha und Keri Hilson. Die männliche Fraktion hatte sich eher dem melodischen R&B verschrieben, beispielsweise Iyaz ("Replay") und Jason Derülo ("Watcha Say"). Mehrzad Marashi hat DSDS gewonnen, aber das interessiert schon seit Sommer 2010 keinen mehr. Ehrlich gesagt habe ich den Song auf dieser Compilation zum ersten Mal gehört.

Es gab auch unsägliches. Duck Sauce und deren dämliches Elektronikgewaber zähle ich mal dazu. Und die Atzen, deren "Disco Pogo" das abgenudelte "Was geht ab?" nahtlos abgelöst hat. Ganz innovativ waren dann Stromaes "Alors On Dance" und Yolanda Be Cool mit "We No Speak Americano". Aber auch da hege ich den Verdacht, dass wir dies einst als One-Hit-Wonder werden abtun müssen. Unverwüstlich: The Black Eyed Peas, James Blunt und Train. Geniale Newcomer: Aura Dione und Hurts. Und wer hielt die deutsche Fahne hoch? Einmal mehr Xavier Naidoo, Culcha Candela ("Move It")und die Fanta 4. Größte Überraschung: der vom Aggro-Saulus zum Soft-Paulus bekehrte Sido im Duett mit Adel Tawil. Und natürlich der Mega-Konsens-Erfolg von Unheilig mit ihrer Majestät dem Grafen. "Geboren um zu leben" wird sich für Generationen in die Hirnwendungen einbrennen.

Damit komme ich zum Ende des musikhistorischen Exkurses und küre die Bravo-Hits zum unumstößlichen Dokument für die Pop-Geschichte. Darf man im Regal haben. Wenn ich zurückblicke, reicht aber bei vielen verblichenen Jahren schon der Blick auf die Tracklist. Reinhören würde nahezu weh tun.

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