Various Artists

Bundesvision Song Contest 2009

Veröffentlicht: 13.02.2009 / Polystar / Universal Music

Von: Andreas Weist

Various Artists

Auch wenn Stefan Raab heute bei jeder Gelegenheit betont, dass der Bundesvision Song Contest nie als Parodie auf den Eurovision Song Contest gedacht, sondern schon bei seiner Initiierung im Februar 2005 eine ernstgemeinte Idee zur Förderung deutschen Liedgutes war, so wissen wir doch, dass das nicht stimmt. Das Kölner Multitalent und seine maßgeschneiderte Show „TV total“ leben nun mal von den satirischen und ironischen Elementen, seien es der Castingwettkampf SSDSDSSWEMUGABRTLAD in Anlehnung an DSDS (wobei Raab und Konsorten um einiges fairer mit den Kandidaten umgehen als das Original), Sportwettkämpfe wie  Wok-WM, Turmspringen und Stockcar-Rennen sowie die innovativste Samstagabend-Show seit langem, „Schlag den Raab“, die letztlich aus der satirischen Dokureihe „Raab in Gefahr“ hervorgegangen ist.

Wie auch immer hat sich der Bundesvision Song Contest in den fünf Jahren seines Bestehens zu einer ernst zu nehmenden Musiksendung entwickelt, die alljährlich eine Bestandsaufnahme der deutschen Musikszene quer durch die Bundesländer darstellt und in punkto Qualität dem europäischen Pendant zumindest in Deutschland längst den Rang abgelaufen hat. Aber was hat die Revision der Szene nun ergeben? Auf jeden Fall, dass Newcomer Peter Fox momentan die absolute Nummer Eins in Deutschland ist. Und wer das Album „Stadtaffe“ kennt, weiß, wie sehr der Gute dies verdient hat, und ich wette, dass diese beste deutsche Veröffentlichung des vergangenen Jahres in der nächsten Woche viereinhalb Monate nach Erscheinen verdientermaßen Platz 1 der Charts entern wird. Punkt. „Schwarz zu blau“ ist eine wunderschöne Rap-Ballade und mit die schönste Hommage an eine deutsche Stadt seit Grönemeyers „Bochum“. Da Seeed bereits 2006 das Siegertreppchen erklommen haben, beschert Fox seiner Stadt zudem die besondere Auszeichnung, über zwei Sieger beim Contest zu verfügen.

Aber natürlich war das nicht alles. Polarkreis 18 mit „Colour Of Snow“ zeigen auf dem zweiten Platz, wohin das öffentliche Interesse momentan geht, und die Powermetaller Rage verfügen mit 24 Jahren Bandgeschichte allemal über eine riesige Fanbasis. Der Sampler vereint – wie sollte es anders sein – alle Wettbewerbssongs. Und es sind ohne Frage auch böse Ausfälle dabei: Angelas Park haben sich ihren letzten Platz redlich verdient, Fotos klingen einfach zu bemüht britpoppig und P:lot aus dem Saarland – nun ja, hätte ich vielleicht persönlich weiter vorne gesehen, doch als Pfälzer ist es schon rein psychologisch wichtig, den eigenen Vertreter wenn nicht ganz vorne so doch zumindest vor dem befreundeten Nachbarbundesland zu sehen. Pascal Finkenauer hat mit „Unter Grund“ ein sehr feines Album vorgelegt – bei dem allerdings gerade der Titelsong, den er beim Contest vortrug, die so besondere melancholische Note des Sängers außen vor lässt.

Weiter positiv aufgefallen sind auf jeden Fall Cassandra Steen und Ruben Cossani. Da darf man doch schon auf die neuen Alben gespannt sein, die in Kürze ins Haus stehen. Mittelschwer peinlich waren aber Olli Schulz (der sich erstaunlich gut platzierte) und Möchtegern-Provokateur Sven van Thom. Die für Thüringen angetretenen Chapeau Claque sah ich musikalisch zwar eher im vorderen Drittel, aber die Performance war dann doch etwas zu esoterisch angelegt, um den Massengeschmack zu treffen. Schade eigentlich.

Zu den Wettbewerbstiteln gesellen sich übrigens noch die vier Siegertitel der Vorjahre. Und wir wissen, dass da mit Julis „Geile Zeit“, Seeeds „Ding“ und den Schwerenötern Oomph („Träumst du“) sowie Subway To Sally („Auf Kiel“) ausschließlich hochwertiges Material am Start war. Somit ist die Compilation auf jeden Fall eine lohnenswerte Anschaffung, wenn auch der Reiz etwas vorbei ist, da man das Abschneiden der Bands beim Contest schon kennt.

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