Fetenhits - Après Ski 2010 (2 CD)

Die Weihnachtslieder sind verklungen, letzte Schokoladenreste werden verputzt, die Papiertonne ist mit buntem Geschenkpapier überfüllt, die Festtags-Verweigerer kehren aus dem Skiurlaub heim und bringen etwas mit, das uns die nächsten Wochen bis Aschermittwoch unweigerlich begleiten wird: die neusten Aprés Ski-Hits, die Ende Januar zu Karnevalsschlagern mutieren.
Wenn man den Trendsettern des Fetenhits-Samplers Glauben schenken darf, dann wird uns die Berliner Atzenmusik (diesmal mit "Das geht ab") noch eine Weile begleiten. Außerdem Tim Toupets "Fliegerlied", das schon in 2009 die Einheimischen zu seltsamen Tanzritualen veranlasste. Karel Gott singt in einer unheiligen Allianz mit DJ Ötzi "Fang das Licht" und der unverwüstliche Jürgen Drews schmettert "Ich bau dir ein Schloss" auf die Tanzflächen. Das ist dann auch das Stichwort: "Tanzbarkeit" heißt die Devise – und zwar auch mit 1 Promille aufwärts. Das erreicht man durch einfache elektronische Rhythmen und Elemente des Discofox. Die Songs von Mark Medlock fallen ebenso unter diese Kategorie wie die St. Anton Allstars, Axel Fischer und Markus Luca. Peter Wackel beschränkt sich bei "Joana" ganz auf den Mitgrölfaktor und Die Jungen Zillertaler schließen sich mit "Wickie" aktuellen Kinotrends an.
Hört sich schlimm an – ist aber gar nicht sooo schlimm. Irgendein schlauer Kopf hat nämlich zwischen Boxendröhner und (vermeintliche) Stimmungsankurbler noch einige Songs platziert, die tatsächlich Hitcharakter haben und lahme Partys in Schwung bringen können. Ich entdecke da Culcha Candelas "Monsta"-Hit friedlich vereint mit Lady Gagas "Poker Face" und "I Gotta Feeling" der Black Eyed Peas. Auf CD 2 überzeugen Agnes ("Release Me"), die aktuelle Neuentdeckung Aura Dione mit "I Will Love You Monday" und Mando Diaos Megaburner 2009 "Dance With Somebody". Allerdings sind das nur kurze Lichtblicke, wenn es danach mit Bum-Bum-Bum und Keyboardgedudel weitergeht.
Wer eine Aprés Ski-Collection kauft, weiß, was ihn erwartet. Und genau das findet sich auch auf der Fetenhits-Zusammenstellung mit immerhin 42 Songs. Sagt also nicht, ich hätte euch nicht gewarnt. Für schwungvolle Silvester- und Karnevalspartys ist die Doppel-CD sicher ganz gut geeignet. Den ultimativen Schlager für die aktuelle Session kann ich aber noch nicht ausmachen. Das wird sowieso erst die Abstimmung mit den Füßen ergeben: Man denke an das Rote Pferd, Cowboy und Indianer und das Fliegerlied. Wer die Leute auf der Tanzfläche zu synchronen Darstellungen des Songinhalts verführt, gewinnt.