Various Artists

Ich war noch niemals in New York

Veröffentlicht: 01.02.2008 / Ariola / SonyBMG

Von: Andreas Weist

Various Artists

Nachdem international schon die Gassenhauer von Queen und Abba in Musical-Inszenierungen mit hirnrissiger, an den Haaren herbei gezogener Handlung verbraten wurden, war es ja nur eine Frage der Zeit, bis es auch einmal einen deutschsprachigen Künstler trifft. And the winner is... Udo Jürgens, dessen Schlagererfolge nun als Soundtrack für eine sogenannte Musical-Komödie herhalten dürfen.

Seit kurzem wird das Musical mit dem vielsagenden Titel „Ich war noch niemals in New York“ in Hamburg aufgeführt. Da, wo bis vor kurzem noch Abbas „Mamma Mia“ die Massen begeisterte. Selbst tritt der alternde Künstler nicht auf – seine Songs werden von ausgebildeten Darstellern gesungen. Die Story ähnelt einer typischen deutschen Theater-Komödie: Moderatorin Lisa bedeutet ihre Karriere alles. Sogar ihre noch rüstige Mutter Maria soll ins Altersheim abgeschoben werden. Die aber will sich mit der späten Liebschaft Otto einen alten Traum erfüllen und nach (ratet mal – richtig) New York reisen. Als Lisa von der heimlichen Kreuzfahrt erfährt, nimmt sie mit Ottos Sohn Axel die Verfolgung auf. Klar treffen die Generationen bald aufeinander, es kommt zu einigen Irrungen und Wirrungen und als Happy End winkt die Doppelhochzeit.

Ich verliere auch besser keine Worte mehr über die hanebüchene Storyline. Es hat schon was von unfreiwilliger Komik, wenn man neue Dialogzeilen hört und gleichzeitig herauszufinden versucht, welchen Schlager der Drehbuchautor nun wieder in die Geschichte einbaut. Da wird die Anekdote von der ersten großen Liebe erzählt um „Siebzehn Jahr, blondes Haar“ unterzubringen, ein schwules Pärchen muss herhalten, um das „Ehrenwerte Haus“ neu zu beleben, und die Moderatorin beschäftigt sich in einer Fernsehsendung mit dem Thema, Fettsucht, damit man auch noch „Aber bitte mit Sahne“ unterbringt.

Aber geht es überhaupt um die Geschichte? Wie bei „Mamma Mia“ und „We Will Rock You“ ist sie doch nur Mittel zum Zweck, um die unverwüstlichen Songs neu auf die Bühne zu bringen. Und das gelingt auch in Hamburg mit den besten Songs des Österreichers allemal. Klar, die Arrangements für Orchester und großen Chor sind ungewohnt, die Frauenstimmen erscheinen meist absolut fehl am Platz und nur einer der Hauptdarsteller klingt ansatzweise wie das Original. Dennoch sind die Jürgens-Schlager letztendlich unverwüstlich. Bekannte Melodien und Refrains, die zum Mitsingen anregen, auch wenn man eigentlich mit Schlagermusik gar nichts am Hut hat. Wie das funktioniert, hat uns Guildo Horn schon zu genüge gezeigt.

Meine Begeisterung für die CD-Produktion hält sich in Grenzen. Die Orchestrierung von Michael Reed kommt gut rüber und Kerstin Marie Mäkelburg, Jerry Marwig, Ingeborg Krabbe und Horst Schultheis tun gesanglich sicher ihr bestes – doch es fehlt ohne Frage das Flair des Live-Erlebnisses. Und die Booklet-Fotos vom farbenfroh schillernden Bühnenbild lassen vermuten, dass sich der Weg nach Hamburg durchaus lohnen könnte. 5 Sterne für die nach wie vor lebendigen Songs des inzwischen 73jährigen. Hut ab für ein Lebenswerk.

 

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