Music En Vogue – Vol. 1

Zunächst mal muss ich gestehen, dass Cover und Titel dieser Compilation mich leicht abgeschreckt haben. Hört sich doch sehr abgehoben an – „en vogue“ – und das Logo mit farbigen Initialen auf dunklem Hintergrund sieht viel zu edel aus. Aber schon ein Blick auf die Tracklist belehrt mich eines besseren. Hier soll auch wirklich nicht die tausendste Sommerhits-, Bravo- oder Viva-Compilation mit den immer schlechteren Beinahe-Hits das Licht der Welt erblicken, sondern es geht um eine feine Zusammenstellung wahrer musikalischer Perlen.
Man will „kompakt über Charthits und neueste Trends der Popkultur“ informieren, was sich ziemlich größenwahnsinnig anhört, aber doch tatsächlich gelingt. CD 1 bietet wirklich alle virtuosen Kabinettstückchen, die momentan die Hitlisten bestimmen – zumindest was Qualität angeht. Es beginnt schon mit dem brandneuen „Das hat die Welt noch nicht gesehen“ der Söhne Mannheims. Dann sind Rihanna (mit dem sehr sanften, zarten „Take A Bow“), Stefanie Heinzmann, Rooney und Kate Nash vertreten. Weiter darf der moderne Soul von Duffy, Amy Winehouse und Adele nicht fehlen. Überhaupt sind die Frauen klar in der Überzahl: die genialen Newcomerinnen Gabriella Cilmi, Yael Naim und Colbie Caillat lassen allemal aufhorchen. Und über die Qualitäten von A Fine Frenzy und der unglaublich starken Stimme von Amy MacDonald wurde schon genug gesagt.
Eine Zusammenstellung, die man gerne am Stück durchhört – wirklich ohne jeden Ausfall. Zum krönenden Abschluss gibt es noch „Make Me Wonder“ von Maroon 5, Take Thats „Rule The World“, „All Good Things (Come To An End)” und “Happy Ending” von der größten Pop-Überraschung 2007 Mika. Selbst mit den Songtiteln hat sich also jemand Gedankengemacht und die textlichen Rausschmeißer ans Ende der CD gesetzt. Silberling 1 hätte allein stehend ohne Frage 9 Sterne verdient.
Leichte Abstriche muss ich nur für Disc 2 machen. Justin Timberlake und Zero Assoluto wollen nicht so ganz in die Reihe passen. Und auch Ville Valo & Natalie Avelon nerven mit ihrer Neuaufnahme von „Summer Wine“. Dafür ist aber Onerepublic gleich zweimal mit „Apologize“ und „Stop And Stare“ vertreten. Leona Lewis darf noch mal ihr Pathos mit „Bleeding Love“ versprühen und ich freue mich auch, die schon älteren „Soulmate“ von Natascha Bedingfield und Fergies „Big Girls Don’t Cry“ zu hören. Zum Ende hin ging etwas die Luft raus. Britney Spears muss mit „Piece Of Me“ ran, Seal mit dem leicht missglückten Hit „Amazing“ und Sam Sparros „Black & Gold“ ist so gar nicht mein Ding. Als Entschädigung schließen aber zwei deutsche Titel das Album so ab, wie einer es begonnen hat: Der neue Megahit „Zwei Herzen“ von Klee und das unverwüstliche „So soll es bleiben“ des Duos Ich + Ich.
Mit Vol. 1 ist ein hervorragender Anfang gemacht. Diese Compilation kann jede Autofahrt versüßen – und ich hoffe, dass noch weitere so gute Zusammenstellungen neuer (und älterer) Musik folgen werden. Und an das Cover hab ich mich inzwischen gewöhnt.