Oh My Love (2 CD)

Jetzt könnte man bei einem Sampler mit diesem Titel natürlich zunächst an einen Kuschelrock-Abklatsch denken. Klar: Songs zum Schmusen – für das vertraute Stündchen zu zweit. Doch hier wird sich ausnahmsweise mal nicht aus dem radiobekannten Fundus bekannter Popklassiker und Rockballaden bedient, sondern es kommen Künstler jenseits des Mainstream zu Wort, die zu einer Entdeckungsreise ganz besonderer Art einladen. Damit will ich jetzt gar nicht den Wert der Kuschelrock-Reihe in Frage stellen. Da gibt es immer mal wieder einige Perlen zu entdecken. Doch „Oh My Love“ widmet sich den noch besser versteckten Schätzen.
Der Titel sagt schon einiges aus. „Oh My Love“ klingt wie ein Stoßseufzer – und will auch genauso verstanden werden. Es geht nicht um die Happy-End-Romantik und die Gefühlsduselei vieler seichter Hitmelodien, sondern es ist eine Zusammenstellung mit viel Melancholie, die sich der oft schmerzlichen Seite des Verliebtseins widmet. Und dazu gibt es eine ganze Reihe anspruchsvoller und interessanter Titel.
Da sind die Melancholie-Könige Travis mit „Re-Offender“, das wundervolle „Iris“ der Goo Goo Dolls und Shooting Star Maria Mena mit „Internal Dialogue“. Newton Faulkner bietet eine geniale Acoustic Version von „Dream Catch Me“, und Sara Bareilles („City“), Old Man River („Better Place“) sowie The Hoosiers („Clinging On For Life“) interpretieren weitere Höhepunkte der ersten CD.
CD 2 startet mit Outkasts „Roses“, was nicht so ganz mein Fall ist, doch dann geht der sanfte Reigen genialer Musik weiter. Gavin DeGraw legt zu Streicherklängen ein virtuoses „More Than Anyone“ hin, Howie Day schmachtet zur Akustikgitarre „Collide“ und die Manic Street Preachers sind mit dem bekannten „The Everlasting“ dabei. Sehr erfrischend finde ich Maplewood mit „Indian Summer“ – ein schöner Soundtrack für den lauen Sommerabend. Joshua Radin überzeugt mit dem rhythmusbetonten „These Photographs“, das sich jetzt seit Stunden bei mir als Ohrwurm festgesetzt hat.
Betörend ist auch die Live Version des Songs „My Heart“ von K’s Choice. Melancholie pur. Und zum Abschluss gibt es einmal mehr das unkaputtbare „Hallelujah“, diesmal in der Version von Jeff Buckley.
Ihr merkt schon: Was mich an der Zusammenstellung besonders reizt, ist die Tatsache, auf einem Sampler eine Reihe solcher unbekannter Songperlen zu entdecken und sich auf diesem Weg mit Singern / Songwritern bekannt zu machen, von denen einem bisher nur der Name bekannt war. Trotz der doch recht unterschiedlichen Songs ist das Album sehr homogen und eignet sich zum Durchhören und Genießen. 32 Songs in 140 Minuten. Und dazwischen verstecken sich einige Überraschungen.