Various Artists

Radio Rock Revolution (Soundtrack, 2 CD)

Veröffentlicht: 17.04.2009 / Mercury / Universal Music

Von: Andreas Weist

Various Artists

Am kommenden Donnerstag stechen die Radiohelden Philip Seymour Hoffman, Bill Nighy, Rhys Ifans und Nick Frost in See, um Staatsvertreter Kenneth Branagh das Fürchten zu lehren. Die Geschichte um den legendären Piratensender aus den 60er Jahren beruht auf einer wahren Begebenheit. Bei uns waren es 1981 Mike Krüger und Thomas Gottschalk, die die Idee, Musik ohne staatliche Genehmigung unters Volk zu bringen, in Slapstick-Manier verulkten. Tatsächlich geht es aber um ein ernstes Thema, nämlich den Status öffentlich-rechtlicher Sender wie vor allem der englischen BBC, die ihren Kultur- und Bildungsauftrag viel zu ernst nahmen und neuen musikalischen Richtungen in den 60er Jahren nur ein Nischendasein einräumten.

Der Sender "Radio Rock" ist zwar ein fiktives Konstrukt, tut aber etwas historisch Authentisches: Er sendet aus internationalen Gewässern, um sich dem Zugriff der Behörden zu entziehen. Das verspricht nicht nur großen cineastischen, sondern auch musikalischen Spaß. Der Soundtrack, der sich mit 36 Songs über zwei Silberlinge streckt, bietet Musik vom Feinsten und besteht fast ausschließlich aus Originalaufnahmen der 60er. Nur der erste Song ("Stay With Me Baby" von Duffy) und das letzte Stück ("Let’s Dance“ – 1983 veröffentlicht von David Bowie) tanzen historisch gesehen aus der Reihe, passen sich aber gut dem musikalischen Konzept an.

Ansonsten erleben wir das Who-is-who der Rock’n’Roll-Geschichte. The Kinks sind dabei, die Beach Boys, Jeff Beck und natürlich The Who. The Troggs lassen mal nicht das "Wild Thing" raushängen sondern mühen sich "With A Girl Like You" ab. Kaum zu glauben, dass verkappten Schlagern wie "Yesterday Man" und "Silence Is Golden" mal ein Nachgeschmack des Verruchten angehaftet haben soll. "Friday On My Mind" kommt auch in der Originalversion der Easybeats sehr gut rüber und The Cream dürfen genau so wenig fehlen wie Jimi Hendrix, Procol Harum, Otis Redding und The Moody Blues.

Der Soundtrack gibt vielleicht den Spaßfaktor der Kinoversion nur ansatzweise wieder – doch er lässt die Größe dieser Zeit und den wegweisenden Charakter in 110 Minuten Musiklänge kompetent aufleuchten, vermittelt viel vom Gefühl jener Epoche und lädt letztlich zu einer eindrucksvollen Zeitreise ein, die von der Songauswahl her absolut partytauglich ist. Film anschauen und abfeiern!

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