Various Artists

Skandal! 30 Jahre Spider Murphy Gang

Veröffentlicht: 02.11.2007 / SonyBMG / Ariola

Von: Andreas Weist

Various Artists

Ein Fetenhit wie „Skandal im Sperrbezirk“ kann ein Fluch oder ein Segen für eine junge Band sein. Für die Spider Murphy Gang war es im vierten Jahr ihres Bestehens und zum Beginn der NDW-Zeit sicherlich ein Segen, wenn die Münchner auch keine typische Neue Deutsche Welle Band waren, sondern vielmehr als bayrische Mundart-Rock’n’Roller auf der aktuell entstandenen Welle mitschwammen. Vielleicht ist gerade dies der Grund, dass die Band nach dem Ende der Euphorie nicht in der Bedeutungslosigkeit verschwand, sondern heute nach 30 Jahren ihr Bühnenjubiläum im großen Stil feiern kann. Die charttauglichen Hits blieben ab Mitte der 80er Jahre zwar aus, aber man hatte sich einen Ruf als hervorragende Liveband erspielt, der auch 2007 noch Bestand hat.

Dieses Jubiläum feierte die Band mit einem Konzert im Münchner Circus Krone, zu dem sich zahlreiche Gratulanten angekündigt hatten: unter anderem Willy Astor, Klaus Eberhartinger, Günter Grünwald, Georg Ringsgwandl & Nick Woodland, Werner Schmidbauer & Martin Kälberer und Viva Voce.
Zeitgleich erscheint ein Tribute-Album mit vielen Hits und weniger bekannten Perlen der Band, zu dem sich eine Reihe von Künstlern ein Stelldichein gaben.

Da wären zunächst mal die Bananafishbones, die mit „Zwoa Zigaretten“ ein countrymäßig erzählendes Stück gewählt haben. Den Klassiker „Skandal im Sperrbezirk“ gerade von den Junior-Punkern der Killerpilze interpretieren zu lassen halte ich für einen genialen Schachzug, der die ewige Jugend dieses Songs unter Beweis stellt – andere werden mit dieser Wahl vielleicht nicht einverstanden sein.
Die alten Recken Klaus Eberhartinger (von der Ersten Allgemeinen Verunsicherung) und Hans-Jürgen Buchner (Haindling) dürfen ebenso ihren Senf dazu geben wie Rainhard Fendrich, der zu einem verjazzten Saxophon- und Trompetenarrangement „Schickeria“ zum Besten gibt.
Willy Astor liefert mit „Sommer in der Elisabeth“ ein kleines aber feines Gitarren-Zwischenspiel, bevor die Ludwig Seuss Band ein sehr rockiges „Vis-a-vis“ abliefert und Blumentopf dem Song „Amerika“ ein (überraschenderweise passendes) Hip-Hop-Gewand überstülpen.
Die musikalische Bandbreite ist enorm vielseitig und gibt den Stücken oft eine unerwartete neue Frische. Sei es Dr. Will, der für „Cadillac“ zum bayrischen Krimierzähler mutiert, den Fabulous Braincandys, die „Oh oh i mog di so“ zum gitarrenlastigen „Uh Uh I Fancy You“ umwandeln, oder Oliver Frank am Piano mit den drei Damen von String Of Pearls, die „Herzklopfen“ zur standesgemäßen kabarettistischen Einlage machen.
Den Vogel schießen aber die A-cappella-Newcomer Viva Voce ab, die den Radiosong „Ich grüße alle und den Rest der Welt“ ohne Nutzung eines einzige Instruments zum genialen A-cappella-Abrocker machen. Mein persönlicher Höhepunkt des Albums.

Michal Mittermeier bringt zum Ende das auf den Punkt, was den 17 Künstlern vorher auf dem Herzen lag: „Rock’n’Roll lebt“. In fast acht Minuten fasst er seine persönliche Spider-Geschichte vom Kauf der ersten LP über den „Skandal“-Hit auf dem Bayrischen Index („Ole ole, super Rosi“) bis hin zur gegelten Schmalzhaarlocke zusammen. Seine Konklusion: Ich fordere eine zügige Heiligsprechung. Wer würde dem nicht zustimmen?

 

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