Sorgen Og Gleden

Natürlich kann man sich die 738. Version von „Jingle Bells“ in der Freejazz Variante, mit Triangelsolo kaufen. Oder man beweist Geschmack und bereichert die heimische Musiksammlung um „Sorgen og Gleden“, was so viel wie Trauer und Freude heißt. Auch wenn es sich hierbei um keine Weihnachts-CD im klassischen Sinn handelt, so ist doch die Sammlung neuer und alter norwegischer Kirchenlieder wie für die besinnlichen Stunden vor und um Weihnachten wie gemacht.
Wer bei den Worten „norwegische Kirchenlieder“ zurückschreckt, schön weiterlesen! Denn das ist keine verstaubte Sammlung von mahnenden und langweiligen Kirchenliedern. Ausgewählt von der norwegischen Kronprinzessin Mette-Marit versammeln sich hier große Namen der norwegischen Musikszene. Jüngere Künstler, wie Maria Solheim, Susanne Sundfør oder Pål Angelskår von Minor Majority sind ebenso dabei, wie die etablierten Größen Sondre Bratland und Kari Bremnes. Letztere steuert ihren, für die Taufe von Prinz Sverre Magnus geschriebenen Titel „Lite Barn Som Kommer“ bei, der sogleich festliche Stimmung heraufbeschwört. Das Klangbild ist sehr zurückgenommen, meist nur begleitet von Piano, Bass und sanften Drums. So klingen die Stücke eher wie sehr reduzierte Balladen, erst der norwegische Mädchenchor, lässt bei „No Stig Vår Song, Vår Takk Til Gud“ so richtig sakrale Kirchenstimmung aufkommen.
Auf dem letzten Track kommt die Kronprinzessin sogar selbst zu Wort, denn sie liest aus „Forkynneren 3“ den Text „Alt Har Sin Tid“ (Alles hat seine Zeit). Überhaupt war sie aktiv an der Produktion dieser CD beteiligt. Sie war anwesend bei den Aufnahmen und involviert bei der Gestaltung des Covers (und ja, die norwegische Kronprinzessin stimmte einem nackten Hintern auf dem Cover zu). Im Booklet kann man neben den Songtexten auch die Gedanken der Kronprinzessin zu jedem einzelnen Stück nachlesen, wenn man denn norwegisch versteht.
Die Mischung aus Königshaus, heimischen Musikstars und dem Wohltätigkeitsgedanken (der Erlös aus dem Verkauf der CD kommt der Kirchenmission zugute), sorgten für Platz 1 in den norwegischen Charts. Auf solch einen Erfolg ist hierzulande natürlich nicht zu hoffen. Selbst wenn man mit der Kirche nichts am Hut hat oder die Texte nicht versteht oder beides, dann kann man sich immer noch an der kontemplativen Stimmung, abseits von „Oh Tannenbaum“ erfreuen. Das perfekte Weihnachtsgeschenk für Bibeltreue, Royalisten und Freunde der anspruchsvollen Musik.