Various Artists

The Bearded´s Project - Hope / Omid

Veröffentlicht: 01.06.2007 / www.thebeardedsproject.de

Von: Andreas Weist

Various Artists

Im Proguniversum gibt es schon ganz besondere Fans, in vielen Fällen selbst Musiker – und oft mit einem Blick weit über den Tellerrand hinaus. So sind auch die Fans der US-Progger Spock´s Beard ein ganz besonderes Völkchen. Die deutsche Gruppierung bezeichnet sich bewusst nicht als Fanclub sondern als Community, und die Aktivitäten werden meist über das äußerst lebendige Online-Forum koordiniert.

Wie nun die Idee für diesen Charity Sampler entstanden ist, kann ich als Außenstehender kaum beurteilen, aber im Mittelpunkt steht ganz klar der 38minütige Epic-Track „Hope“, den Musiker der Community gemeinsam eingespielt haben, zum Teil ohne sich dabei persönlich zu treffen. Das Internet macht´s möglich. Ergänzt wurde die Doppel-CD um eine Vielzahl kürzerer Songs, die ebenfalls von Solo- und Bandprojekten der vertretenen Musiker eingespielt wurden. Und dann haben aufgrund des Charity-Charakters auch Spock´s Beard und deren Ex-Sänger Neal Morse ihr Scherflein dazu beigetragen und jeweils einen unveröffentlichten Song beigesteuert.

So weit – so gut. Worum geht`s nun? Omid ist das afghanische Wort für Hoffnung. Die Einnahmen der CD kommen der Kinderhilfe Afghanistan zugute, die sogenannte Friedensschulen in der Krisenregion errichtet und betreibt und vor allem Mädchen und Frauen besonders fördert. Eine unterstützenswerte Sache also... Und dann ist da ja noch die Musik.

Es sind alles Fans von Spock’s Beard. Kein Wunder also, dass der Schwerpunkt im Progressive Rock liegt. Der Titeltrack „Hope“ gliedert sich in sieben Abschnitte. Elf Musiker sind daran beteiligt – und waren nie alle zusammen im Studio. Aber das ist ja bei vielen Projekten heute keine Seltenheit mehr. Eingeleitet von einem wundervollen Pianointro geht es nach Einsetzen der härteren Gitarre mit heiser eingesungenen Vocals weiter. Der Song ist absolut vielschichtig, wechselt über akustische Gitarre, starke Percussion-Passagen und synthetische Orchesterklängen bis hin zu polyphonen Vokalpassagen. Und dabei wirkt das Ganze keineswegs zerstückelt, sondern sehr homogen. Eine hervorragende Leistung.

Spock´s Beard steuern ein fast siebenminütiges Acoustic Medley aus der Feel Euphoria / Octane-Ära bei, Neal Morse den Song „The Way“. Ansonsten möchte ich nicht auf jeden Song ausführlich eingehen. Es gibt das jazzig verspielte „Walkin The Thin Line“, das poppige „At The Hand Of An Angel“, das mich stimmlich leider gar nicht überzeugt, das atmosphärische Instrumental „Frontier Planet“, das düstere „It Won´t Last Forever“ und das fröhliche „The Best Small Country“ im Marschrhythmus.

Wie auch die erste CD schöpft CD 2 die möglichen fast 78 Minuten voll aus. „The End Of Childhood“ hört sich so sehr nach einem Spock´s Beard-Opener an, wie es nur möglich ist und darf deshalb getrost vor Neal Morse platziert werden. Sehr schöne markante Vocals übrigens. „Talk To Me“ ist instrumental zum Teil sehr ungewöhnlich besetzt und bietet Jazz in Reinkultur. „Trocadero“ ist ebenfalls instrumental und sehr vielseitig. „The Soldier“ kommt ziemlich pathetisch rüber und lebt von der prägnanten Stimme von Roland Enders. „I Could Die“ bietet starke Gitarren, aber nicht gerade überzeugende und zu sehr gezogene Vocals. Schade.
„The Tales Of A Scottish Poet“ der Gruppe Asgaart um die charismatische Sängerin Esther Rengers gehört für mich zu den Höhepunkten des Samplers. Klasse eingesungen und eingespielt. „Shattered“ plätschert gemütlich vor sich hin – und „Crovenia“ bildet mit treibender Pianolinie und ruhiger Gesangspassage einen schönen Abschluss für den Sampler. Beinahe. Es folgt nämlich als Hidden Track noch eine Reprise zum Song „Hope“, erst sehr verzerrt, dann hart, schnell und rockig, später mal piano-, mal gitarrendominiert. Also wiederum sehr vielschichtig. Mit nochmals fast 15 Minuten kann „Hope“ in seiner Gesamtheit zum wahren Monster-Track mutieren. Gut so – eine Freude für uns Proggies.

Die 6 Sterne in der Wertung beziehen sich allein auf die musikalische Seite des Werks, die viel professionell anmutende Arbeit, aber halt auch einiges Amateurhafte bietet. Im Prinzip halte ich das Projekt für absolut unterstützenswert. Kauft dieses Album – es lohnt sich. Den Link findet ihr hier: TheBeardedsProject. Oder klickt mal bei InsideOut rein.

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