Vincent will Meer (Soundtrack)

Die perfekte Symbiose entsteht doch, wenn ein Soundtrack neugierig auf den dazu gehörenden Film macht und der Film die Zuschauer dazu bringt, den Soundtrack zu kaufen, um bestimmte Momente musikalisch nachzuerleben. Die deutsche Filmindustrie hat hier definitiv Nachholbedarf, denn die Reihe liebevoll zusammengestellter Soundtrackalben lässt sich gut und gerne an einer Hand abzählen. Mit "Vincent will Meer" gesellt sich jedenfalls ein atmosphärisch dichter Vertreter auf die Positiv-Seite und zeigt, was möglich ist.
Der Film packt ein schwieriges Thema an: Vincent leidet am Tourette-Syndrom und lebt in einer Anstalt, aus der er jedoch abhaut, um seiner toten Mutter einen letzten Wunsch zu erfüllen und ihre Asche ans Meer zu bringen. Begleitet wird er dabei von zwei Mit-Patienten. Ein typisches Roadmovie also, das die Themenkomplexe Tourette und Behinderung auf tragisch-komische Weise beleuchtet.
Für den Soundtrack bedient man sich einer Reihe schöner, hauptsächlich balladesker Songs, die alle irgendwie in die Singer-/Songwriter-Ecke passen, auch wenn sie teilweise von gewachsenen Bands interpretiert werden. Da sind zunächst die unbekannteren Stücke von Cargo City (vier an der Zahl), Clooney und Diana König – alle geschrieben vom Frankfurter Produzentenduo Stevie B-Zet und Ralf Hildenbeutel.
Dazu gesellt sich – quasi als Titelsong – der Ohrwurm "Hey, Soul Sister" der kalifornischen Rocker Train, die derzeit für ihr großes Comeback auffahren. Revolverheld steuern das mitreißende "Spinner" bei, während Clueso ("Keinen Zentimeter") und 2Raumwohnung ("Rette mich später") das deutsche Triple vervollständigen. Wir finden den britischen Ausnahmegitarristen Newton Faulkner mit "If This Is It", das irische Poptrio The Script mit "Breakeven" und die dänischen Indierocker Kashmir mit "Mouthful Of Wasps". Am stärksten beeindrucken aber mal wieder die Frauen: Maria Mena mit dem fulminanten, eindringlichen "Belly Up" und Newcomerin Amanda Jenssen, die die hübsche Ballade "Autopilot" interpretiert.
Die Mischung ist stimmig, mit Hitcharakter und lässt sich immer wieder am Stück durchhören. Selbst die Auffüll-Stücke von Cargo City fallen keineswegs negativ auf. Macht Lust auf mehr (oder Meer).