War Child Heroes - The Ultimative Covers Album

Charity-Projekte tauchen immer mal wieder auf – bevorzugt zur Weihnachtszeit, aber auch unvermittelt mitten im Jahr. Wenn man einen gewissen Bekanntheitsgrad als Künstler erreicht hat, stellt sich meist auch die Frage, wie man diese Popularität in den Dienst einer guten Sache stellen kann. Für viele Rockbands ist es die Organisation WAR CHILD, der die Bandmitglieder ihr Engagement schenken wollen. Dabei handelt es sich um eine gemeinnützige Organisation, die Kindern in Kriegsgebieten hilft und zur Zeit unter anderem im Irak tätig ist. Gegründet wurde WAR CHILD 1993. In Deutschland gehört Wolf Maahn zu den Mitstreitern, der 1996 das Festival „Rock For Bosnia“ in diesem Sinne veranstaltete und dafür Die Fantastischen Vier, Fury in the Slaughterhouse, Fettes Brot und den Schotten Fish mit ins Boot holte. Die vorliegende Compilation verfolgt in diesem Sinne ein ganz besonderes Konzept: Musiklegenden wie Paul McCartney, U2 und Iggy Pop haben junge Helden ausgesucht, die einen ihrer Songs neu singen und aufnehmen.
Okay – sind wir realistisch: Ob tatsächlich eine Band wie U2 hingeht und sagt „Hey, wir haben da diesen Song – Running To Stand Still – und wünschen uns, dass er für dieses Projekt von den neuen Stars des Alternative Rock Elbow eingespielt wird“ sei mal dahin gestellt. Im Vordergrund sollen doch die außergewöhnliche Idee des Samplers und der dahinter steckende gute Zweck stehen. Und es zeigt sich zumindest, dass die Projektverantwortlichen nicht die üblichen 08/15-Songs ausgesucht haben und auch bei der Auswahl der Interpreten im durchaus spannungsgeladenen Bereich geblieben sind.
Da ist zum Beispiel Gitarrenvirtuose Beck, der Bob Dylans „Leopard-Skin Pill-Box Hat“ sehr stark interpretiert und dem 43 Jahre alten Titel eine erstaunliche Frische verleiht. Auch TV on the Radio liefern mit „Heroes“ eine sehr moderne Version eines allseits bekannten Klassikers. Den Mut zu eklatanten Veränderungen haben Lily Allen und Duffy. Erstere macht aus The Clashs „Straight To Hell“ einen fröhlichen Rocksong, der die Punk-Attitüde des Originals komplett vernachlässigt, und letztere stülpt McCartneys „Live And Let Die“ ihre äußerst soulige Variante über, bei der ich die rockigen Parts allerdings schmerzlich vermisse.
Sehr spannend finde ich Elbows Variante von „Running To Stand Still“, meinem Langzeit-U2-Lieblingssong. Fronter Guy Garvey singt mit breitem Manchester-Akzent und hört sich so gar nicht nach Bono an – es gelingt ihm aber, die emotionale Tiefe des Songs zu treffen und ihm zwar keine neue, jedoch eine andere Dimension zu verleihen. Mein Highlight des Albums. Erwähnenswert auf jeden Fall auch Rufus Wainwrights Medley aus Brian Wilsons „Smile“, das den Beach Boys-Spirit perfekt einfängt. Den Abschluss bilden Franz Ferdinand und knöpfen sich niemand geringeren als Blondie vor. „Call Me“ klingt von ihnen mehr als strange und krönt den Sampler.
Zusammengefasst sei gesagt, dass hier der gute Zweck mit hervorragenden musikalischen Mitteln verfolgt wird. Das Konzept ist spannend und durchdacht – die Songauswahl bewegt sich im künstlerisch hochwertigen Bereich und die Interpretationen sind fast allesamt überdurchschnittlich gut. Wer Gutes tun will, tätigt hier keinen Fehlkauf.