Various Artists

Woodstock 40 (2 CD)

Veröffentlicht: 14.08.2009 / Rhino / Warner Music

Von: Thomas Kröll

Various Artists

Vor 40 Jahren pilgerte eine halbe Million Menschen auf einen Acker in der amerikanischen Kleinstadt Bethel nahe New York. Angezogen vom Versprechen nach "Three Days Of Peace & Music". Vom 15. bis 17. August 1969 traten dort insgesamt 33 Künstler auf und trotz Regen, Schlamm und Chaos wurde das Hippie-Happening zum Mythos einer ganzen Generation. Woodstock war ein Lebensgefühl und ist es für viele bis heute geblieben. Auch wenn Bob Dylan (der sich standhaft einem Auftritt verweigerte) Woodstock einmal nichts weiter als einen "neuen Markt für gebatikte T-Shirts" nannte.

Auch die Musikindustrie erkannte früh das ungeheure kommerzielle Potential des Festivals. Die inzwischen kultgewordene Dreifach-LP und den Dokumentarfilm von Michael Wadleigh kennt mittlerweile wohl nicht nur jedes Blumenkind. Pünktlich zum 40-jährigen Jubiläum gibt es eine regelrechte Schwemme an "neuen" Woodstock-Veröffentlichungen. So haben auch wir beispielsweise die "Woodstock Ultimate Collector’s Edition"-DVD (hier) oder das Buch "Woodstock - Wunder oder Waterloo?" von Jörg Gülden bereits an anderer Stelle besprochen (hier). Nun folgt die Doppel-CD "Woodstock 40", die es übrigens auch als opulente 6-CD-Box zu kaufen gibt.

Die Doppel-CD ist quasi die Essenz der Box. Unter den 21 Songs (alle digital remastert) befinden sich vier bislang unveröffentlichte Tracks von Tim Hardin, Arlo Guthrie, The Incredible String Band und der Klassiker "Bad Moon Rising" von Creedence Clearwater Revival. Dazu "We`re Not Gonna Take It" von The Who in der Full-Length Version und "Theme For An Imaginary Western" von Mountain als spezielles Woodstock Recording. Hinzu kommt ein 8-seitiges Booklet mit einigen Fotos und einem Rückblick auf die drei Tage im Schlamm von Bethel von Holly George-Warren, Co-Autorin des Buches "The Road To Woodstock".

Blendet man das dahintersteckende Profitstreben aus, dann macht diese Zusammenstellung richtig viel Spass. "Woodstock 40" präsentiert die Bands und Solisten sogar in der ursprünglichen Reihenfolge ihrer Auftritte. Das geht dann logischerweise mit Richie Havens und "Freedom" los und endet bei Jimi Hendrix` einzigartigem "Star Spangled Banner/Purple Haze"-Solo. Dazwischen liegen etwa das fröhliche "Suite: Judy Blue Eyes" von Crosby, Stills & Nash (Neil Young war auch dabei, untersagte jedoch jegliche Aufnahmen seiner selbst), Joan Baez mit "Drug Store Truck Drivin Man", John B. Sebastians wunderschönes Stück "How Have You Been", Janis Joplin, Canned Heat oder Jefferson Airplane, um nur einige zu nennen. Nicht zu vergessen natürlich Joe Cockers legendärer Schrei nach "With A Little Help From My Friends". Carlos Santana glänzt mit einer elfeinhalbminütigen, energetischen Version von "Soul Sacrifice", nur übertroffen von den fast 18 Minuten Sly & The Family Stone und deren Medley aus "Dance To The Music / Music Lover / I Want To Take You Higher", einer Art Urzeit-Rap. Leider sind die 500.000 Glücklichen, die es bis nach Bethel geschafft hatten, auf den beiden Silberlingen kaum zu hören, weshalb das Live-Feeling der Aufnahmen etwas auf der Strecke bleibt. Lediglich bei Country Joe McDonalds Schlachtruf "F.U.C.K." vor "The Fish Cheer / I-Feel-Like-I`m-Fixin-To-Die-Rag" bekommt man eine Ahnung von ihrer Anwesenheit.

Doch so ein wenig schafft es "Woodstock 40" dann trotzdem, dieses einmalige Gefühl von Freiheit und Unabhängigkeit in die Gegenwart zu transportieren. Und "wer sich nicht vorstellen kann, welche Freiheit Woodstock wenigstens vorübergehend brachte", schrieb die Süddeutsche Zeitung, "soll mal versuchen, seine noch nicht schulpflichtigen Kinder nackt an einem amerikanischen Hotelpool herumlaufen zu lassen". Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.

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