Wir sind Helden

Bring mich nach Hause

Veröffentlicht: 27.08.2010 / Columbia / Sony Music

Von: Astrid Weist

Wir sind Helden

Die Helden sind zurück! Nachdem sie sich 2008 nach einer bis dahin recht turbulenten Karriere in eine längere Kreativ- und Babypause verabschiedeten, veröffentlichen Wir sind Helden nun endlich ihr viertes Studioalbum "Bring mich nach Hause".

Die ersten Takte des Openers "Alles" könnten auch das Intro zu einem Coldplay-Song sein, aber spätestens, wenn Judiths Gesang einsetzt, ist das vertraute Heldengefühl wieder da. So überzeugend und charmant kann sich eben nur sie gegen alle konventionellen Vorstellungen von Qualität und Wohlklang durchsetzten!  Und auch die Texte sind gewohnt intelligent und vielschichtig, wenn auch nicht mehr so rotzfrech und sozialkritisch wie zu Zeiten der "Reklamation". Dafür geht es mehr um die Suche nach der eigenen Identität, um persönliche Beziehungen, Verlorenheit und Sehnsucht.

Allerdings ist "Bring mich nach Hause" kein durchgängig melancholisches Album geworden. "Was uns beiden gehört" kommt mit schrägem, aber durchaus tanzbarem Akkordeon-Rhythmus daher und "23.55: Alles auf Anfang" ist mal wieder ein wunderbar optimistischer Gute-Laune-Song, der sicher noch oft auf zukünftigen Party um kurz vor zwölf die Stimmung heben wird!

Die ruhigeren Lieder überwiegen dann doch, haben es aber in sich. Der Titelsong entfaltet sich voller Sehnsucht, Erschöpfung und Heimweh über Piano, sanfter Percussion und Bläsern, und "Die Ballade von Wolfgang und Brigitte" entlarvt verpackt in eine eingängige Melodie, dass die 68er-´Alles ist möglich´-Mentalität leider allzu oft die Gefühle der Beteiligten verletzt. Und dann diese unglaubliche Ballade "Meine Freundin war im Koma und alles, was sie mir mitgebracht hat, war diese lausige T-Shirt", in der Judith zu sehr sparsamer Pianobegleitung in erstaunlichen Metaphern von Freundschaft und Vergänglichkeit singt und dabei so zerbrechlich klingt, dass man einfach nur Gänsehaut bekommt.

 Noch nicht so recht erschlossen haben sich mir "Flucht in Ketten" und das musikalisch sperrige, aber sprachlich sehr verspielte "Dramatiker"  - da  fehlen wohl noch ein paar Hördurchgänge.  Das rhythmische "Kreise" geht dagegen ganz gut ins Ohr und "Im Auge des Sturms" fasziniert mit der Beschreibung einer geborgenen Zweisamkeit, um die herum sich nach und nach ein wahrer musikalischer Sturm entwickelt.

Dass Judith und Pola inzwischen zweifache Eltern sind, hat scheinbar auch Spuren hinterlassen – "Die Träume anderer Leute" eröffnet die Sängerin jedenfalls mit einem bekannten Schlaflied, um anschließend mit dem Bild des Träume herab werfenden Baumes zu spielen. Und der wunderbar ruhige Abschlusstitel "Nicht was wir tun könnten" beschreibt für mein Empfinden perfekt die Gefühle nach einer Geburt, wenn man seinem neugeborenen Kind das erste Mal in die Augen schaut.

"Bring mich nach Hause" ist ein sehr gutes neues Helden-Album geworden – die vier Vorreiter der neuen NDW überzeugen noch immer mit ihrem ganz eigenen Stil und immer wieder frischen thematischen und musikalischen Ideen. Wer sich mit der CD ausreichend vorbereitet hat, kann die Band dann ab Oktober auch wieder live erleben – Tour-Termine gibt’s auf der Homepage www.wirsindhelden.de.

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