Wolf Maahn

Deserteure

Veröffentlicht: 22.02.2008 / Libero / Pias / Rough Trade

Von: Andreas Weist

Wolf Maahn

Wolf Maahn war und ist nun jemand, der als Deutschrocker zwar immer wieder in meinem Repertoire („ja, kenne ich“) auftauchte, der musikalisch aber nie zu meinen Favoriten zählte. Dabei hat er ehrliche, handgemachte und vor allem solide produzierte Alben vorgelegt, und doch nie den echten Durchbruch geschafft. Und das, wo daneben viele ehemalige Mitstreiter unter anderem bei BAP oder den Kritikerlieblingen Hoelderlin ihr Erfolgsding durchzogen. Wenn ich jetzt so zurückdenke, ist mir „Monopoli“, das Maahn für Klaus Lage schrieb, noch am ehesten im Gedächtnis. Ein Fluch für jeden guten Songwriter, wenn andere mit den Werken den ersehnten Erfolg einheimsen.

Irgendwie merkt man beim ersten Hören, dass es Zeit ist, ein Album neu auf den Markt zu bringen, das immerhin schon 25 Jährchen auf dem Buckel hat. Ist es der viel beschworene Zeitgeist oder das momentane Aufkeimen immer neuer Blüten von deutschrockiger Musik, die irgendwie dem Geist der seligen NDW nacheifern? „Deserteure“ erschien 1982 als erstes Soloalbum Wolf Maahns (die Begleitband nannte man dann passenderweise gleich „Deserteure“) und das große eigene Ding ließ sich eigentlich ganz gut an. Auftritte im Vorprogramm von Roxy Music und Bob Dylan hatte schließlich nicht jeder vorzuweisen. Mit einer düsteren, elektronisch verzerrten Version des Klassikers „Sag’ mir, wo die Blumen sind“, die dann noch mehr gesprochen als gesungen wurde, konnte Wolf Maahn die entsprechende Aufmerksamkeit erregen.

Arrangements und Produktion des Albums bieten puren Deutschrock – so, wie wir ihn in der ersten Hälfte der 80er hören wollten. Innovativ, eindringlich, ironisch, bisweilen auch politisch spiegeln die Texte den gesellschaftlichen Geist wieder und führen den Hörer heute in eine Zeit zurück, in der man den kritischen Bürger mit Sinnbildern von Rüstungswettlauf und Atomindustrie noch hinter dem heimischen Ofen hervorlocken konnte. Damals wurde der Grundstein gelegt für einen Wolf Maahn, der sich gesellschaftspolitisch engagierte und später an Aktionen wie der „Band für Afrika“, mit Protesten gegen die Tschernobyl-Katastrophe und als Initiator von „Rock For Bosnia“ an vorderster Protestfront mitmischte.

„Oh Julia“, „Ich bin German“ und „Blinder Passagier“ sind Hits, die neben seinen späteren Charteinsteigern „Fieber“ und „Karussell“ auch heute noch jede Deutschrock-Fete beleben und in eine etwas weniger abgröhl-lastige Richtung führen können. Schade, dass das Album auf Vinyl nicht lange erhältlich war und dann auf CD nur in kleiner Auflage gepresst wurde. Schnell musste man bei den bekannten Online-Auktionshändlern den Geldbeutel öffnen und hohe Preise über den imaginären Tisch wandern lassen. Um so besser, dass sich der gute Wolf nun die Rechte erkauft hat, das Teil 2007 remasterte und nun auf eigenem Label wieder in die Waagschale des Musikmarkts schmeißt. Und gleichzeitig kommt auch der Bonustrack „Der Elefant“, den es bisher nur als Single gab, zu späten Ehren. Was will man mehr? „Deserteure“ wird unentbehrlicher Bestandteil jeder Deutschrock-Sammlung sein. Und wer Wolf Maahn einmal live erlebt hat, wird es dem alten Haudegen gönnen, nochmal am Ruhm der 80er zu schnuppern.

 

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