Wolf Maahn

Rosen im Asphalt Live! - 2CD / Direkt ins Blut (Un)Plugged - CD + DVD

Veröffentlicht: 15.07.2011 / EMI Electrola

Von: Thomas Kröll

Wolf Maahn

Vor mehr als 30 Jahren wagte Wolf Maahn mit der Food Band seine ersten musikalischen Schritte. Seitdem ist viel passiert. 1982 erschien sein Solodebüt "Deserteure" (benannt nach seiner damaligen Begleitband), bereits zwei Jahre später gelang ihm mit "Fieber" der erste grosse Hit. Ebenfalls 1984 trat Wolf Maahn als erster deutscher Künstler überhaupt bei der legendären "ARD Rockpalast Nacht" auf. Den endgültigen Durchbruch bescherte ihm 1986 "Kleine Helden", dem bis heute weitere vierzehn Studioalben folgten, zuletzt das grossartige "Vereinigte Staaten". Denkt man an Wolf Maahn, denkt man an einen Vollblutmusiker mit Herz, Hirn und Seele. Der Mann komponiert, textet, singt, arrangiert, produziert und spielt Gitarre, Schlagzeug, Percussion und Piano. Da können alle Kollegen von G wie Grönemeyer bis W wie Westernhagen einpacken. Im Gegensatz zu ihnen ist Wolf Maahn aus der hiesigen Musiklandschaft schon lange nicht mehr wegzudenken.

Das bewies der Wahl-Kölner bereits 1986 mit dem Live-Album "Rosen im Asphalt", das zum 25jährigen Jubiläum jetzt in einer erweiterten und von Wolf Maahn persönlich remasterten Expanded Edition wiederveröffentlicht wird. Lange Zeit war "Rosen im Asphalt Live!" nur als Einzel-CD mit 13 Songs erhältlich. Lediglich die ursprüngliche LP-Version enthielt alle 21 Songs (inklusive zweier Studioversionen von "Hokuspokus"), die bei den damaligen Konzerten der "Kleine Helden"-Tour in Hamburg, Beverungen, Bonn und Essen mitgeschnitten wurden. Grund genug also für den Re-Release, der nun auf zwei CDs endlich auch die bislang fehlenden Aufnahmen versammelt, darunter solche Knaller wie "Die Sucht der Träumer", "Ich will dir meine Liebe geben", "Nicaragua", "Direkt ins Blut" oder die Extended Maxi Version von "Hokuspokus". Zu den Höhepunkten auf "Rosen im Asphalt Live!" gehört sicherlich auch das wunderbare, fast zwölfminütige "Bimbo Club"-Medley. Der Spass, den alle Beteiligten dabei hatten, ist auch in der Konserve bis heute deutlich spürbar. Dass die Deserteure (von denen übrigens mit Jürgen Zöller, Werner Kopal und Helmut Krumminga inzwischen drei ehemalige Mitglieder bei BAP spielen) schon damals eine Klasse für sich darstellten, muss wohl nicht mehr eigens erwähnt werden. Dazu gibt es im Booklet noch zahlreiche Fotos und den Original-Text von Wolf Maahn aus dem Jahr 1986. "Rosen im Asphalt Live!" ist und bleibt eine der vielen künstlerischen Sternstunden in der Karriere des 56-Jährigen.

Dies gilt auch für die gleichzeitige Neuauflage von "Direkt ins Blut (Un)Plugged", seinem längst zum Klassiker gewordenen Akustik-Konzert vom 22. Juni 1993 im Dierks Studio 3 in Stommeln, vor gerade mal 70 Leuten in einem 9 x 9 Meter "grossen" Raum, das hier erstmals als CD/DVD-Set zusammengefasst ist. Bisher gab es "Direkt ins Blut (Un)Plugged" als Einzel-CD (1994) und -DVD (2003). Die CD wurde um das zunächst nur auf DVD veröffentlichte Food Band-Stück "Side Street Romeo" ergänzt und natürlich wiederum von Wolf Maahn höchstselbst remastert. 17 Songs, die authentischer kaum sein könnten. Das macht insbesondere die DVD eindrucksvoll deutlich. Willkommen direkt auf der Bühne - pur, live, akustisch, hautnah! Es gibt Teppiche, Kerzen, Polsterstühle, Barhocker und wohl nicht ganz zufällig erinnert das alles ein wenig an die berühmte MTV Unplugged-Reihe. Die Haare sind noch länger, auf der Bühne darf geraucht werden, die Klamotten sind unter heutigen Gesichtspunkten zumindest grenzwertig (aber hey, so liefen wir zu der Zeit schließlich alle rum...) und verstärkt vom Folk-Geiger Ashley Reed brennen Wolf Maahn und Band ein knapp anderthalbstündiges Feuerwerk ab.

Angefangen beim ungemein intensiven "Stunde um Stunde" über eine herrlich reduzierte Version von "Der Clown hat den Blues", die Gänsehaut-Nummer schlechthin "Ich wart auf dich", bis hin zum grossartigen "Freie Welt" und dem fulminanten Ende mit "Rosen im Asphalt". Zwischendurch wird auch mal amtlich abgerockt ("Die Sucht der Träumer" oder "Deserteure"). Regisseur Gerd F. Schultze hat die wunderbare Stimmung in grandiosen Bildern festgehalten und man wird selbst nach 18 Jahren noch von der Mischung aus Rock, Soul und Rhythm & Blues mitgerissen. Dass dieses Konzept nach wie vor funktioniert, stellte Wolf Maahn dann 2007 mit "Direkt ins Blut 2 (Un)Plugged" erneut unter Beweis. Abgerundet wird das Ganze von den Videos zu "Leben und leben lassen" und "Durch alle Zeiten", einem zwanzigminütigen Interview, einer Biographie sowie einer Fotogalerie. Chapeau!

Zum Schluss soll Wolf Maahn noch einmal selbst zu Wort kommen. Im Booklet zu "Rosen im Asphalt Live!" schreibt er: "Es entstand das, was für mich viele magische Momente dieser Tour ausmachte, eine Art Mitschwingen von allen Anwesenden mit den Rhythmen, Melodien und Stimmungen: eine für Stadthallen und Großdiscos erstaunliche intensive gefühlsmäßige Kommunikation". Dem ist nichts mehr hinzuzufügen. Außer der Höchstwertung!

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