Vereinigte Staaten

Denkt man an Köln, denkt man an den Dom, leckeres Kölsch, BAP, den FC... und an Wolf Maahn. Dabei ist der eigentlich gebürtiger Berliner. Seit nunmehr über 30 Jahren und dem ersten musikalischen Output mit der Food Band ist der bald 55-jährige fester Bestandteil der deutschsprachigen Rockszene und schon längst gefühlter Rheinländer. 1982 erschien sein Solo-Debüt "Deserteure", dem bis heute dreizehn weitere Studioalben folgten. Darüberhinaus machte sich Wolf Maahn auch als Produzent (etwa für Klaus Lage, Wolfgang Niedecken, Purple Schulz oder The Piano has been drinking) und Schauspieler einen guten Namen. 2009 erst spielte er den Friedrich Schiller in Dieter Fuchs Rock-Oper "Das Lied von Schillers Glocke". Klassiker wie "Fieber", Karussell", "Ich wart auf dich" oder "Hallo Sehnsucht" sorgen nach wie vor für so manch sentimentale Erinnerung. 2007 schließlich gründete Wolf Maahn sein eigenes Label Libero, auf dem nun mit "Vereinigte Staaten" der erste Longplayer seit sechs Jahren mit ausschließlich neuem Material erscheint.
Der Titel ist keineswegs als Huldigung an die USA (miss-) zu verstehen. Vielmehr geht es Maahn dabei um "das Prinzip von freien, eigenständigen Wesen, die Gegensätze überwinden um gemeinsam etwas zu bewegen" und dies gelte "sowohl für zwei Menschen wie auch ganze Völker". Inspiriert zu dieser Idee hat ihn eine Reise in die Arktis zum 78° Nord nach Spitzbergen in Norwegen. Dokumentiert durch zahlreiche Fotos im Inlay und Booklet der CD sowie durch das Coverfoto zweier Huskies (die übrigens "Chili" und "Pepper" heißen). Mit den beiden hat Maahn einen Huskie-Trip unternommen und in der Wildnis unmittelbare Natur-Erfahrungen gesammelt. Das spiegelt sich auch in den zwölf neuen Songs wieder.
Schon im Opener "Unter einem großen Himmel" klingt diese Intention deutlich an. Ein treibender, rockiger Auftakt, der die durchgehend hochklassige Gitarrenarbeit von Markus Wienstroer bereits andeutet. Der Mann ist diesbezüglich aber ohnehin eine unantastbare Grösse. Anschließend geht Maahn mit seiner exzellenten Band in die Vollen. Ob Blues, mal verträumt wie im Titelstück oder reinrassig wie bei "Im Lauf der Zeit", Soul ("Dein Gang"), Reggae ("Kannst du sehen") oder Country ("Was dümmer macht") - alles vertreten. Der Höhepunkte gibt es viele auf "Vereinigte Staaten". "Süsses Glück" ist so einer. Eine rockende Ode an die Liebe. Oder "Nonstop Superflat Popup Internetshow", dessen Poprock dem Text entsprechend atemlos daherkommt. Könnte ein Radiohit werden. "210" ist textlich ein Choleriker-Blues, musikalisch das genaue Gegenteil.
Überhaupt die Texte. Schon seit jeher eine der Stärken von Wolf Maahn. Egal ob er die Beziehung zu seiner Frau Angelika besingt, sich über Brustimplantate oder Internet-Communities lustig macht, den Kommerz geißelt oder wiederholt die Liebe feiert, hier findet jeder ein Stück von sich selbst wieder. Oder gleich mehrere. Als Anspieltipps möchte ich euch zum Schluss noch drei Songs ganz besonders ans Herz legen: Das wunderschöne "Am heutigen Morgen", das in Zusammenarbeit mit Xavier Naidoo entstanden ist und an die Leichtigkeit der "Kleine Helden"-Zeiten erinnert, dann das sentimentale "Das Ding" und insbesondere den grossartigen, sechsminütigen Closer "Flucht nach vorn". Vielleicht sogar einer der besten Songs, die Wolf Maahn jemals geschrieben hat. Einer, der euch davonschweben lässt und noch lange nachhallt. Einfach herrlich!
"Vereinigte Staaten" ist ein Album, das ungemein frisch und aufgeräumt klingt. Wolf Maahn hat es nicht nur komplett im Alleingang geschrieben und produziert und seinem Sohn Maximilian gewidmet, sondern auf seiner Reise in die Arktis offensichtlich auch seine musikalischen wie persönlichen Wurzeln wiedergefunden. Der Rockpoet ist zurück - besser und lebendiger denn je! Live könnt ihr euch davon auf der bereits laufenden "Vereinigte Staaten"-Tour überzeugen. Hier die noch ausstehenden Termine:
20.03.2010 - Köln, Gloria
26.03.2010 - Kiel, Räucherei
27.03.2010 - Lübeck, Werkhof
23.04.2010 - Unna, Kühlschiff
24.04.2010 - Eppelborn, Big Eppel
01.05.2010 - Düsseldorf, Savoy Theater
29.10.2010 - Schwerin, Speicher
30.10.2010 - Magdeburg, Festungmark
05.11.2010 - Frankfurt, Batschkapp
06.11.2010 - Syke, Syker Theater
12.11.2010 - Bonn, Harmonie
13.11.2010 - Stuttgart, Universum