You Me At Six

Sinners Never Sleep

Veröffentlicht: 27.01.2012 / Virgin / EMI

Von: Andreas Weist

You Me At Six

Es ist schon erstaunlich, dass eine Band wie You Me At Six in Deutschland einen zu vernachlässigenden Bekanntheitsgrad hat. Die Briten brachten kürzlich ihr drittes Album heraus, sind dabei gerade Anfang 20, konnten die Brixton Academy als Headliner stürmen und zweimal das Hammersmith Apollo ausverkaufen. 2011 wurden sie von Kerrang! als beste britische Band ausgezeichnet – und doch erscheint ihr aktuelles Album, das bereits aus dem vergangenen Oktober stammt, mit Verspätung in Europa.

Die Vielschichtigkeit ihrer musikalischen Ausrichtung lässt staunen. Punk mag man das wohl nennen, doch mit sehr poppiger Klangfarbe. Das war nicht immer so. Der Erstling "Take Off Your Colours" klang noch sehr krawallig. Davon hat man sich inzwischen entfernt. Songs wie "Loverboy" und "Little Death" kommen sehr gepflegt und erwachsen daher. Wie Green Day mit jungen Stimmen. Screamo-Elemente wie auf den ersten EPs gibt es inzwischen kaum noch. Allein "Time Is Money" zeigt etwas von der ursprünglichen Aggressivität.

Das gereicht den Jungs aber nicht zum Nachteil. Die sanfte Zweistimmigkeit von "No One Does It Better", die hymnische Breitwand-Ballade "Crash" und der melancholische Abschluss mit tiefen, nachdenklichen Vocals ("When We Were Younger") zeigen eine deutliche Weiterentwicklung. Und mit Songs wie "The Dilemma" schleichen sich weiterhin optimistische, eingängige Punksongs in die Tracklist.

"Das Letzte, was wir tun wollten", erzählt Drummer Dan Flint, "war ein Pop-Punk-Album darüber zu schreiben, wie wir uns auf der ‚Warped Tour‘ betrunken oder wie uns Mädels abserviert haben." Stattdessen gibt es ambitionierte Texte, die selbstbewusst in die Zukunft schauen. Das Ergebnis ist ein intensives Album mit viel Atmosphäre. Wäre an der Zeit für eine erfolgreiche Single, die You Me At Six auch bei uns ein wenig pusht.

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