You Pretty Thing

Tune In

Veröffentlicht: 07.03.2008 / Bon Voyage Records / SPV

Von: Thomas Kröll

You Pretty Thing

Alles an You Pretty Thing ist scheinbar neu. Neues Projekt, neues Album und ein neues Genre. Doch dazu später. Wenn man genauer hinschaut, sind You Pretty Thing aber garnicht mehr unbedingt so neu. Das Duo besteht aus Jayney Klimek und Blacky. Der heisst eigentlich Andreas Schwarz-Ruszcynski, was den Künstlernamen nachvollziehbar macht. Sie kommt aus Melbourne, er aus Berlin und beide haben früher schon in einer Band gespielt: The Other Ones. Er Gitarre, Sie Gesang. Auch die Liste ihrer Referenzen ist lang und luxuriös: Von Tangerine Dream und Paul Van Dyk (Klimek) bis hin zu Boy George, Trevor Horn und den Pet Shop Boys (Blacky). Außerdem spielte Blacky bereits in den 80ern bei den Neue Deutsche Welle-Helden UKW.

Einige von euch werden You Pretty Thing aus dem Radio kennen. Ihre Single "Push It" ist der meistgespielte Song der Berliner Radio Eins-Geschichte. Höchste Zeit also, dass sich die beiden nun auch in Albumlänge vorstellen. "Tune In" (auf gut deutsch: Hinhören und Gesäß bewegen) ist das Ergebnis. Komplett selbst geschrieben und produziert. Eingespielt mit Hilfe ihres Livedrummers Marcellus Puhlemann, Hans Hafner am Keyboard und dreier bezaubernd klingender Backgroundsängerinnen. Laut Booklet trug Annette Humpe auch einige Ideen bei. Das Infosheet der Plattenfirma bezeichnet die elf Stücke auf "Tune In" als PowerPopRock, womit wir dann beim neuen Genre wären. Jedenfalls wenn man der Meinung des Labels folgt.

Die Geschichte hat zumindest eindeutiges Ohrwurmpotential. Im Vordergrund steht luftig-leichter Pop ("U Pretty Thing" oder "Get Down Pussy"), mal etwas angerockt ("The Silencer") und mit einer Prise Sisters Of Mercy und Alanis Morissette gewürzt (wie im melancholischen "The Sweetest Betrayal"). Verträumt, sphärisch, düster, fluffig, fröhlich und stampfend sind weitere Attribute, die mir beim Hören einfallen. Wenn man dabei die Augen zumacht, fühlt man sich frei wie ein Vogel, der über Wiesen und Wälder schwebt, auf deren Lichtungen Hirsche und Rehe im Rhythmus der Musik das Tanzbein schwingen.

45 Minuten voller klasse Songs, umrahmt von Jayney Klimeks Stimme, die alles in sich birgt: Sex, Stolz, Selbstbestimmung und Koketterie. Intelligente, zweideutig-eindeutige Texte, verpackt in ein Wechselspiel aus dunklen Tönen, befreiten Akkorden und treibenden Beats. Alles in allem ist "Tune In" zwar nicht ganz so neu wie es das Label Glauben machen will, aber spannend und abwechslungsreich. Tatsächlich ein sehr hübsches Ding! 

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