Blau im Blau

Yvonne Catterfeld hatte lange irgendwie das Image des netten Mädchens von nebenan. In der Rolle der Julia bei "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" war sie jahrelang täglich in deutschen Wohnzimmern präsent und entzückte als Sängerin zudem mit Herzschmerz-Balladen wie "Für dich" und "Du hast mein Herz gebrochen". Als Schauspielerin hat sich Yvonne schon länger aus der Welt der Daily-Soaps verabschiedet und sich anspruchsvolleren Projekten zugewandt. Nun präsentiert sie sich nach vier Jahren Pause mit ihrem aktuellen Album "Blau im Blau" auch musikalisch von einer neuen Seite.
Yvonne Catterfeld singt noch immer deutsch, aber die Texte sind nun nachdenklicher, tiefgründiger und manchmal sogar frech und gewagt. Und statt in beliebige Popmelodien sind diese Texte in akustisch instrumentierten Songwriter-Sound mit Elementen von Soul und Chanson verpackt. Eröffnet wird das Album mit einem schönen akustischen Intro, dann folgt mit "Zeit" ein nachdenklicher Song über Vergänglichkeit, von der Sängerin mit gewohnt leichter verträumter Stimme interpretiert. "Du sagst es nicht" ist ein etwas schwungvolleres Stück über einen Mann mit Unverbindlichkeits-Gen, und der Titelsong "Blau Im Blau" beschreibt einen perfekten Tag im verspielten Dreivierteltakt.
Bei der souligen Nummer "Wind der nicht weht" geht Yvonne dann auch in ungewohnt tiefe Register – und klingt plötzlich fast wie die deutsche Soul-Queen Cassandra Steen. Dieser Eindruck bestätigt sich noch beim folgenden Duett "Frag nie warum" mit eben dieser Sängerin, denn die Stimmen sind kaum auseinander zu halten. Der Song ist übrigens eine mit neuem deutschem Text versehene Coverversion von "How Come, How Long" von Babyface und Stevie Wonder.
Der folgende Titel "Immer noch" stammt unverkennbar aus der Feder von Xavier Naidoo – eine intensive Ballade, die Yvonne sehr gefühlvoll interpretiert. Einige Songtexte hat auch der Schauspieler Oliver Wnuk beigesteuert, mit dem die Sängerin derzeit liiert ist. Da wird es bei "Bist du Dir sicher?" schon mal ziemlich anzüglich, aber andererseits in "Fragen" recht melancholisch und tiefgründig. Und auch für Spaß und Selbstironie ist Platz auf dem Album, wenn Yvonne rhythmisch und funkig die Vorzüge von ihrem "Traummann" besingt. Der Abschlusstitel "Wer ich bin" ist fast ein klassischer Chanson in Hildegard-Knef-Manier – ein wunderbar optimistisches Bekenntnis zu sich selbst. Als Bonustitel gibt es dann noch die gefühlvolle Ballade "December Prayer" aus dem Film Engel sucht Liebe, in dem Yvonne die weibliche Hauptrolle spielte.
Die Künstlerin präsentiert sich auf "Blau im Blau" mit einem spannenden neuen musikalischen Look, der gut zu ihr passt und mit dem sie sich hörbar wohlfühlt. Aus dem netten Mädchen Yvonne ist die interessante junge Frau Catterfeld von nebenan geworden. Und von der wollen wir gerne noch mehr hören!