25 Jahre sind genug (2 DVD)

Die Geschichte des Punkduos aus Hannover endete im Mai 2006 urplötzlich mit dem Tod des Gründungsmitglieds Konrad Carls, der im Alter von 44 Jahren überraschend einen Herzstillstand erlitt. Damit hat es natürlich einen tragischen Beigeschmack, dass die abschließende Doppel-DVD "25 Jahre sind genug" nun endlich fertig gestellt wurde und in den Handel kommt. Schade, dass Konrad dies nicht mehr miterleben durfte. Idee hinter dem Release war so oder so der Abgesang auf die erfolgreiche Punkband, die schon immer eigene Wege ging.
DVD 1 startet mit einer mehr als zweistündigen Doku – entstanden im Jahr 2005 – die Konrad und Mirco "Micro" Bogumil über ihr Leben und die unerwartete Karriere plaudern lässt. Das ist sicher interessant und es macht Spaß, den beiden zuzuhören, doch sie sitzen nun einmal die ganze Zeit über vor alten Tourplakaten in der gleichen Kameraeinstellung, was auf Dauer doch sehr ermüdend ist. Als Auflockerung gibt es immerhin zur Illustration einige Bilder und Filmschnipsel. Zudem kommen Freunde und Weggefährten der vergangenen Jahre zu Wort, unter anderem Kabarettist Dietrich Kittner (Konrads Vater), Cristof und Thorsten von Fury In The Slaughterhouse, Hape Kerkeling, in dessen Film "Kein Pardon" das Duo 1993 mitspielte, sowie Moderator Ingo Schmoll.
Mit Fury und den Brieftauben war die Hannoveraner Szene neben Terry Hoax und den Scorpions in den 80er und 90er Jahren bestens vertreten. So gibt es einige Anekdoten zu erzählen aus der Zeit, als man den Proberaum im gleichen Keller hatte und 1987 gar gemeinsam auf Tour ging. Die Stories rund um den Major-Plattenvertrag mit der EMI und Auftritte als Vorgruppe von New Model Army und den Ramones sind schließlich Musikgeschichte. Dazu gibt es mit "Punkrockrente" den letzten Song der Tauben in einer dreiminütigen Einspielung. Ein großer Abschied.
DVD 2 zeigt zwei Konzerte, einmal 50 Minuten "Außer Kontrolle" aus dem Jahr 1991 im Tor 3 Düsseldorf, dann 60 Minuten "Macht’s noch einmal Tauben" von 2002 in der Glocksee Hannover. Wieder einmal zeigt sich, wie das Duo die Reduktion auf Gitarre und Schlagzeug ("Wer braucht schon einen Bass? ") zur Kunstform erhoben hat. Neben Ärzten und Goldenen Zitronen haben die beiden den Funpunk erfunden und in die Musikszene etabliert – nicht zuletzt als Kontrapunkt zur NDW, die Anfang der 80er allzu ernsthaft und mit weltverbessernder Einstellung daher kam. Die Tauben wollten Spaß und äußerten dies mit Songs wie "Das Grauen kehrt zurück", "Zu spät", "Konrad K. ", "Heute doof & morgen doof" und den Cover-Klassikern "Siegesmund" und "Mama": So bringt man auch das gealterte Publikum in Hannover ein letztes Mal zum Kochen. Der Sound ist erwartungsgemäß dürftig – leider auch bei der 02er-Aufnahme. Hier ist zumindest die Bildqualität sehr gut. Ziemlich gealtert sind die Burschen – das ist im Vergleich über die Jahre schnell zu erkennen. "Du bist auch zehn Jahre älter geworden", ruft Konrad ins Publikum. Es bewegt, ihn ein letztes Mal live zu sehen.
Ergänzend sind alle Videoclips enthalten: "Das Grauen kehrt zurück", "Im Strandbad", "Du brauchst es", "Fett & hässlich", "Zuviel ist nicht genug" und schließlich "Das Herz eines Boxers" mit Olly Rosthal an den Drums. Wer einen Eindruck gewinnen will, schaut hier:
ABSTÜRZENDE BRIEFTAUBEN - Das Grauen kehrt zurück
ABSTÜRZENDE BRIEFTAUBEN - Making Of "Das Grauen..."