Alice Cooper

Live At Montreux 2005 (DVD/CD)

Veröffentlicht: 16.06.2006 / Eagle Vision / edel records

Von: Andreas Weist

Alice Cooper

Der von vielen als Schockrocker bezeichnete, in seinem alter ego aber als freundlich und ungemein sympathisch geltende Alice Cooper weilt nach unzähligen Hinrichtungen auf offener Bühne immer noch unter den Lebenden – wie er beim 2005er Konzert in Montreux eindrucksvoll beweist. Bis zum neuen Studioalbum “Along Came A Spider” werden wir uns nach etlichen Verschiebungen vermutlich noch bis 2008 gedulden müssen, aber eine DVD-Veröffentlichung wie diese tröstet über einiges hinweg.

Was gibt es Besonderes? Natürlich viele neue Songs, um 2005 den aktuellen Longplayer „Dirty Diamonds“ zu promoten. Aber auch eine Showperformance der Tochter Calico, die eine überaus hübsche Paris Hilton-Kopie abgibt. 27 Songs in 90 Minuten. Es geht also Schlag auf Schlag.

Zum Start der Knaller „Department Of Youth“ aus dem Jahr 1975. Alice steht wie gewohnt im Mittelpunkt, verfügt aber über eine überaus junge und extrem spielfreudige Band. Es gibt viele Showeffekte und wie immer eine Storyline, die sich durchs Konzert zieht. Als Intro gab es Musik aus Webbers „Phantom der Oper“ – naja, wenn’s denn sein muss.

Alice – in üblicher Lederbekleidung und Maskerade – präsentiert als drittes Stück mit „Dirty Diamonds“ den ersten neuen Song, gleichzeitig Titelstück des damals aktuellen Albums. Erster Höhepunkt ist „Lost In America“, ironischerweise mit US-Flagge auf der Lederjacke und einem deprimierenden US-sozialkritischen Text.

Aber Alice kann auch Balladen: „I Never Cry“ wird sanft mit rauchig-verspielter Stimme interpretiert. Dann „I’m Eighteen“, bei dem er demonstrativ den Krückstock in die Menge hält. Selbstironie pur. Gut so!

Die Showtime geht weiter mit „Go To Hell“. Eine Domina erscheint (leicht bekleidet, natürlich, denn sex sells) und nach einem Vampirbiss verschwindet der Meister. „The Black Widow“ kommt instrumental mit ausgiebigen Gitarren- und Schlagzeugsoli daher. Dann darf der Protagonist des Abends nach sechs Minuten Ruhepause wieder zurückkehren.

Es folgt die allseits bekannte Frankenstein-Sequenz: zu „Feed My Frankenstein“ landen Körperteile in der als Bühnendeko herhaltenden Pseudo-Maschine. Die Show bietet nichts wirklich Neues. Wer Alice Cooper einmal gesehen hat, weiß, was ihn erwartet. Aber damit kann man leben. Zu „Steven“ gibt es tanzende Zombie-Schönheiten, bevor „Ballad Of Dwight Fury“ in der Zwangsjacke performt wird, bei „Killer“ die Guillotine ihren unvermeidbaren Einsatz erlebt und der Cheffe zu den Klängen von „I Love The Dead“ seine Auferstehung als Frankensteins Monster feiert.

Musikalisch ist alles erste Sahne. Es gibt noch die Sommerhymne „School’s Out“, „Poison“ und zwei weitere Knaller zum Abschluss, dann ist finito. Die Show ist nicht überraschend, aber trotzdem geil. Irgendwie schön, dass die Songs nicht einfach runtergespielt, sondern als Konzept dargeboten werden.

Ach ja, bevor ich’s vergesse: das Ganze kommt im Pack mit einer Live CD (19 der 27 Songs). Also recht viel Spaß fürs Geld. Entschwinden wir damit ab und zu in die Welt von Alice Cooper und freuen uns dabei auf „Along Came A Spider“. Die nächste Alice kommt bestimmt.

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