Arcade Fire

Miroir Noir

Veröffentlicht: 27.03.2009 / City Slang

Von: Jessica Walther

Arcade Fire

Niemand würde allen Ernstes erwarten, dass die rumpelige kanadische Kapelle Arcade Fire einen normalen Konzertfilm abliefern würde. In dieser Hinsicht enttäuschen sie nicht, denn der Dokumentarfilm "Miroir Noir" ist eine Collage, bestehend aus Live-Aufnahmen, Kurzfilmen und Hinter-den-Kulissen-Eindrücken, wild durcheinander und nicht immer verständlich.

Die Entstehung des Albums "Neon Bible" und die dazugehörige Tour sind das Thema der Dokumentation. Serviert in körnigen Bildern und auch gern mal mit der Wackelkamera aufgenommen, bietet sie einen Blick in das Bandgeschehen. Von den Aufnahmesessions (nackte Füße auf Orgelpedalen) in der ehemaligen Kirche, die Arcade Fire gekauft und zum Studio umgebaut haben bis zu diversen Livemitschnitten (durchaus auch mal mitten im Publikum). Dabei ist die Kamera mal vor der Bühne, dann auf der Bühne oder hinter der Bühne, je nach Song.

Das viele Hin und Her Gespringe mag die Geschwindigkeit dokumentieren, mit der Arcade Fire seit ihrem Debüt "Funeral" im Jahr 2004, von schräg, zu schräg und sehr erfolgreich gelangt sind. Doch eben diese fragmenthafte Umsetzung macht es einem schwer wirklich ein Gefühl für den Moment aufkommen zu lassen. Zwischen einzelnen filmischen Sequenzen gibt es Füllmaterial von vermutlich künstlerisch wertvollen Impressionen, wie einer klappernden Tür. Meist nur schemenhaft zu erkennen und in meinen Augen verschenkte Zeit, außerdem wenig atmosphärisch. Doch diese Versuche von Kreativität sind noch zu verkraften, so richtig nerven nur die Anrufbeantworter-Botschaften, mit denen viele Aufnahmen unterlegt sind. Zu der Zeit der "Neon Bible"-Veröffentlichung hat die Band eine Nummer geschaltet und eine Auswahl dessen, was die Fans dort hinterlassen haben, findet sich nun auf der DVD. Es stört den Fluss des Films und die Aussagen sind doch mehr als merkwürdig. Ich möchte nur den jungen Mann als Beispiel nennen, der das Gespräch beenden muss, weil sein Fuß brennt.

Doch es gibt auch ganz großartige Momente, obskurerweise finden sie jeweils in Fahrstühlen statt. Zum einen, wenn die gesamte Band zusammengequetscht in einem Fahrstuhl steht ,"Neon Bible" spielt und die Percussion aus dem ryhthmischen Abreißen von Zeitschriftenseiten besteht. Zum anderen wäre die geradezu hypnotische Version von "Windowsill" zu nennen, die nur Win Butler und Chassagne singen und spielen, während sie in einem gläsernen Fahrstuhl hoch und runter fahren. Allein wie Régine mit der Faust im Takt gegen die Glasscheibe hämmert, zieht die gesamte Aufmerksamkeit auf sich. Denn mit steigender Dramatik des Songs, hämmert sie immer stärker und man befürchtet schon eine Katastrophe aus Glas und Blut. Doch sowohl sie als auch die Fahrstuhlscheibe haben den Song überstanden.

In einer der letzten Szenen gibt es noch eine charmante Szene des Ehepaars, in der Win Butler zunächst allein auf einer nächtlich verlassenden Straße zu sehen ist. In freudiger Erwartung dreht er sich um, man kann vermuten, dass sie nach ihm gerufen hat und streckt die Arme aus, um die ihm in die Arme springende Régine aufzufangen und zu tragen. Da geht einem als Romantikerin doch das Herz auf, wenn man das pulsierende Herz der Band im Doppeltakt schlagen sieht.

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