BAP

Dreimal zehn Jahre - Die Videoanthologie

Veröffentlicht: 18.11.2005 / Capitol / EMI

Von: Thomas Kröll

BAP

30 Jahre BAP – Teil 2! Nach der Doppel-CD „Dreimal zehn Jahre“ nun als Zugabe die gleichnamige DVD, Untertitel „Eine Videoanthologie“. Sozusagen drei Stunden musikalische Zeitreise in bewegten Bildern.

Wie sehr sich die Verhältnisse im Laufe der letzten drei Jahrzehnte verändert haben, erkennt man alleine schon daran, dass die Karte für ein BAP-Konzert anno 1984 noch schlappe 16 D-Mark kostete. Für die im kommenden Jahr anstehende Jubiläumstour (die Tourdaten findet ihr unten) muss man durchschnittlich schon mindestens 35 € berappen, was im Vergleich aber immer noch geschenkt ist. Die Rolling Stones zum Beispiel verlangen für ihre x-te Abschiedstournee „A Bigger Bang“ bis zu 200 € in der höchsten Kategorie. Aber das ist eine andere Geschichte...

Auch BAP durften in ihrer Karriere bereits im Vorprogramm von Mick Jagger und Co. rocken. 1982 im guten alten Müngersdorfer Stadion zu Köln. Von diesen beiden denkwürdigen Konzerten gibt es auf „Dreimal zehn Jahre“ zwar leider nichts zu sehen, aber auch so bieten die insgesamt 31 Videoclips, Liveausschnitte und Fernsehauftritte eine gelungene Mischung aus den wichtigsten Stationen der bisherigen Bandgeschichte. Zwischendrin erzählt Wolfgang Niedecken Anekdoten zu den einzelnen Songs, die übrigens in der Reihenfolge ihrer Entstehung zu sehen sind. Niedecken sitzt dazu stilecht am Rhein, genauer gesagt im Bootshaus Rodenkirchen. Angefangen beim allerersten TV-Auftritt mit „Ne schöne Jrooß“ 1981 in der WDR-Show „Bananas“ bis hin zu den beiden brandneuen Stücken „Dreimohl zehn Johre“ und „Nähxte Stadt“.

In „Ne schöne Jrooß“ gibt es ein Wiedersehen mit Manfred „Schmal“ Boeker, Alexander „Effendi“ Büchel, Steve Borg, Klaus „Major“ Heuser und Wolli Boeker. Der Major (damals noch ohne Hut) trägt eine knallenge rote Jeans und darüber eine weisse Lammfelljacke. Auch daran sieht man, wie die Zeit vergeht. Bei „Waschsalon“ („WWF-Club“, 1981) spielt Schmal sogar notgedrungen den Bass, weil es Steve Borg nicht rechtzeitig zu dem Auftritt schaffte. War also in den Anfangstagen noch so manches chaotisch, kam mit „Verdamp lang her“ dann der endgültige überregionale Durchbruch. In diese spannende Zeit fällt auch der legendäre „Rockpalast“-Gig 1982 auf der Loreley, aus dem wir „Do kanns zaubere“ zu sehen bekommen. Das Stück steht quasi exemplarisch für all die Songs, in denen Wolfgang Niedecken die ganzen Geschichten erzählte, die uns exakt zur selben Zeit passierten.

Weitere Highlights sind „Deshalv spill`mer he“ zur abgesagten DDR-Tour 1984 (mit „deutschen Untertiteln“) oder „Alexandra, nit nur du“, das erste „echte“ BAP-Video. Bei „Time is cash, time is money“ (aus „Mensch Meier“ mit einem jugendlichen Alfred Biolek) „begeistert“ die komplett bescheuerte Kulisse, an der zumindest Major sichtlich seinen Spass hat. 1986 spielen BAP „Ahl Männer, aalglatt“ in „Wetten dass...?“ und wir erleben eine durchgeknallte Gloria von Thurn und Taxis. BAP traten dabei übrigens erstmals mit Christian Schneider als zweitem Keyboarder auf. „Alles im Lot“ gibt es in der sogenannten „Giftschrank-Version“. Die Band mit weißgeschminkten Gesichtern unter Plastikplanen. Sehr strange! „Widderlich“ zeigt noch einmal genüsslich die berühmten Eierwürfe auf Helmut Kohl in Magdeburg 1991. Die Stücke „Rövver noh Tanger“ und „Unger Krahnebäume“ belegen, wie gut es BAP getan hat, sich vor dem letzten Studioalbum „Sonx“ (2004) auf fünf Mitglieder gesundzuschrumpfen. Das ist wieder straighter Rock`n Roll allerfeinster Sorte. So soll es sein!

Es sind eine Fülle von Erinnerungen, die auf „Dreimal zehn Jahre“ zusammenkommen. Einziger Ausfall ist „Ahnundfürsich“, der Titelsong zu „SK Kölsch“. Leider ist das Video nur unverhältnismäßig besser ausgefallen als diese unsägliche SAT 1-Serie. Zwei Clips möchte ich noch besonders herausheben. Zum einen „Hungry Heart“, das Niedecken in der Leopardefell-Phase 1995 in Berlin zusammen mit Bruce Springsteen eingespielt hat. Im Anschluss gibt es noch die Akkustikversion von 2005. Und zum zweiten „Wie schön dat wöhr“, 2004 mit der WDR Big Band als Benefizsingle der „Gemeinsam für Afrika“-Aktion aufgenommen. Ein in vielerlei Hinsicht außergewöhnliches Video!

Als Fazit bleibt festzustellen, dass „Dreimal zehn Jahre“ eine wirklich schöne Zusammenstellung geworden ist. Eine, in der die Entwicklung von BAP in all ihren Facetten gezeigt wird. 1976 als Lokalhelden in der Kölner Südstadt gestartet, hat sich die Band seitdem längst auch zwischen Hamburg, München und darüber hinaus fest etabliert. Dieser Status ist hart erarbeitet und deshalb auch völlig verdient. Am Ende winkt uns Wolfgang Niedecken vom Bootsanleger noch einmal kurz zu. Auf dem Schild über ihm steht „Vielen Dank für Ihren Besuch“. Ich danke auch. Und hoffe gleichzeitig, dass es nicht der letzte war...

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