Rockpalast 1981 / 1999

Keine andere Band durfte häufiger den Rockpalast unsicher machen als die Kölschrocker BAP. Wenn Ende April mit dem Konzert von 2006 aus der Kölnarena (Motto "Dreimal zehn Jahre") der letzte dieser Mitschnitte erscheint, werden alle sieben Rockpalast-Gigs im DVD-Format erhältlich sein, so manches Regal hübsch verzieren und vom guten Geschmack seines Besitzers zeugen.
Mir schneiten kürzlich der älteste dieser Mitschnitte aus dem Jahr 1981 und das neuneinhalb Jahre alte Konzert von der 1999er "Tonfilm"-Tour ins Haus. Kollege Thomas Kröll wird sich in Kürze den beiden Mitschnitten aus dem neuen Jahrtausend zuwenden.
Das Konzert von 1981 sieht die Band nicht in Köln sondern ausgerechnet in der Hamburger Markthalle, wo sie auf ein zwar interessiertes jedoch recht reserviertes Publikum trifft. Noch vor ihrer ersten professionell organisierten Deutschlandtour haben die Kölner die Zuhörer im Feindesland allerdings schnell im Griff. Die mitgebrachte Busladung Fans aus der Domstadt singt kräftig vor und nach einiger Zeit lässt sich auch der Rest nicht mehr vom kölschen Dialekt abschrecken, der in den Folgejahren die Republik erobern wird. Wir hören "‘Ne schöne Jrooss", "Südstadt verzäll nix" und den Protestsong "Stollwerck-Leed". Es gibt die für die Zukunft so prägenden Gänsehautmomente in "Jraaduss" und "Helfe kann dir keiner". Und die Halle bebt zum "Müsli Män", zu "Anna", dem ersten großen Hit "Verdamp lang her" und dem zu dieser Zeit nicht weg zu denkenden "Waschsalon". "Hang On Sloopy" regt auch die bis dahin verständnislos dreinblickenden Nordlichter zum Mitsingen an und ein wundervoll albernes "Das große Schu-bi-du" beschließt ein Konzert, das die künftigen Heldentaten der Band erahnen lässt und ihre bis heute andauernde Fernsehkarriere eindrucksvoll begründet. Die Anekdoten wie Majors gerissene Gitarrensaite und Niedeckens Promenaden-Mischung "Blondie", die zum Abschluss die Showbühne stürmt, sind Rockpalast-Geschichte. Die Bildqualität ist zwar altersgemäß körnig, doch einen Tick besser als bei der Loreley-Aufnahme. Dem Liebhaber wird es sowieso mehr auf den historischen Wert ankommen.
Der Kölner Musical Dome sieht 1999 eine ganz andere, gereifte Band. Von der alten Besetzung ist nur Mastermind Niedecken übrig. Und doch sind BAP im Grunde die alten gebliebenen. Klar kann man streiten, ob Major Heuser fehlt oder nicht. Jürgen Zöller bedauert in seiner Biographie den Weggang nicht – heißt ihn zwischen den Zeilen gar gut. In meinen Augen fehlt ein großes Stück Seele der Band, wenn auch Wolf Maahn-Spezi Helmut Krumminga den Gitarrenmeister virtuos gekonnt ersetzt. "Verdamp lang her" ist ohne Majors Solo nicht dasselbe – der Song darf aber auch bei einem BAP-Konzert in den 90ern nicht fehlen. So stellt sich Niedecken mit neuen Mitstreitern der Herausforderung und meistert sie mit Bravour. Der neue Sound ist zwar gewöhnungsbedürftig – passt aber vor allem bei den Songs der Alben "Pik Sibbe", "Amerika" und "Comics & Pin-Ups" recht gut. Die Klassiker werden im neuen Gewand gespielt und die Zuschauer lassen sich auch von den neuen Versionen bei Stücken wie "Jupp", "Arsch huh, Zäng ussenander" und "Ruut-wiess-blau querjestriefte Frau" begeistern. Nur "Kristallnaach" fehlt zur absoluten Glückseligkeit – dafür entschädigt aber die intensive Coverversion "Hungry Heart", die sich künftig häufiger im Repertoire finden soll. Für die über 200 Minuten Gesamtlaufzeit sind diesmal zwei Silberlinge nötig, wobei die letzten fünf Songs des Konzerts auf Disc 2 verbannt werden. Gefüllt wird diese dann mit einem ausführlichen, 1999 geführten Interview – oder soll man besser sagen Dialog – zwischen Niedecken und Mr. Rockpalast himself, Peter Rüchel. Die DVD-Edition der Rockpalast-Konzerte macht einfach Spaß!