BAP

Rockpalast 2001 / 2006

Veröffentlicht: 08.05.2009 / Capitol / EMI

Von: Thomas Kröll

BAP

Bereits siebenmal seit 1981 haben BAP unter dem Emblem des WDR-Rockpalastes gespielt. Sie halten damit den Rekord, noch vor der Rockpalast-Galionsfigur Rory Gallagher, der auf insgesamt fünf Auftritte kommt. Nach der Veröffentlichung der ersten drei Rockpalast-DVDs Ende des vergangenen Jahres folgen nun im April und Mai vier weitere legendäre BAP-Konzerte. Der erste Gig 1981 in der geschichtsträchtigen Hamburger Markthalle, das Konzert von 1999 im Kölner Musical Dome (die der Kollege Andreas Weist beide hier bereits besprochen hat) sowie die Show von 2001 nahe Euskirchen und schließlich das bisher letzte Gastspiel im Rahmen der 2006er Greatest Hits-Tour in der Kölnarena, um die es an dieser Stelle gehen soll.

Das Konzert vom 15. Juni 2001 fand dabei an einem nicht alltäglichen Ort statt. Für die Live-Präsentation ihres damals gerade mal eine Woche alten Albums "Aff un zo" hatten sich Wolfgang Niedecken & Co. eine "tote Brücke" in der Nähe von Euskirchen ausgesucht, ein Bauprojekt an der A1, das jedoch nie fertiggestellt wurde. Die Band spielte noch in der gleichen Besetzung wie zwei Jahre zuvor im Musical Dome, also auch mit der inzwischen leider verstorbenen Sängerin Sheryl Hackett. Es war die Zeit, in der Wim Wenders gerade seinen BAP-Film "Viel passiert" drehte. Regisseur Christian Wagner hat die intensive Performance trotz Schmuddelwetters in stimmungsvollen Bildern eingefangen. Die Setlist (insgesamt 27 Songs in 184 Minuten) hat natürlich alles von "Aff un zo" zu bieten, dazu die Uraltklassiker "Verdamp lang her" oder "Waschsalon" und so manch gelungene Hommage an Niedeckens Helden wie Bob Dylan ("Vill passiert sickher"), Leonard Cohen ("Wat schriev mer en su enem Fall?") und Neil Young ("Hey Hey, My My..."). Immer umrahmt von Wolfgang Niedeckens gewohnt launigen (manchmal etwas langatmigen) Ansagen und veredelt durch die immense Spielfreude der gesamten Band. Das (magere) Booklet enthält noch Liner-Notes von "Mr. Rockpalast" Peter Rüchel, für den dieses Konzert die letzte Zusammenarbeit mit BAP darstellte sowie ein paar Fotos. Eine runde Sache, auch wenn das Bonusmaterial (alle Rockpalast Trailer von 1981 bis 2006) ruhig etwas üppiger hätte gestaltet werden dürfen.

Üppig ist dagegen die DVD von 2006 ausgefallen. Zum 30-jährigen Bandjubiläum spielten BAP am 14. und 15. Januar in der heimischen Kölnarena. Der über dreieinhalb Stunden lange Zusammenschnitt beider Konzerte ist auf gleich zwei Silberlingen verewigt. Wie es sich für ein zünftiges Jubiläum gehört, sind zahlreiche Gastmusiker am Start. Anne de Wolff, die mit ihrer Geige insbesondere bei der Unplugged-Version von "Jupp" für Gänsehaut sorgt, dazu Henning Wehland von den H-Blockx ("Widderlich" und "Rövver noh Tanger"), der am 14.01. eine Goldene Schallplatte für das Album "Dreimal zehn Jahre" mitbrachte. Desweiteren Thomas D. von den Fantastischen 4 ("Verdamp lang her" auf Hochdeutsch), die quirlige Martha Jandova (Die Happy), Renate Otta und Culcha Candela ("Time is cash, Time is money"). Am Ende sind sie alle im Bruce Springsteen-Cover "Hungry Heart" auf der Bühne vereint. Setlist (32 Songs, die kaum Wünsche offen lassen) und Stimmung sind vom Allerfeinsten. Ein musikalischer Höhepunkt aus 30 Jahren BAP jagt den nächsten und alle aufzuzählen, würde den Rahmen dieser Rezension deutlich sprengen. Der Dolby Digital Sound sorgt sowohl beim Genuß der Edition von 2001 als auch bei der von 2006 für entsprechende Begeisterung bis auf die Wohnzimmer-Couch. Auch wenn die alten Songs im neuen Klanggewand manchmal doch noch gewöhnungsbedürftig sind. Leider hält auch hier das Booklet erneut nicht ganz Schritt, da es lediglich Liner-Notes des BAP-Experten Oliver Kobold enthält. Außerdem wurde "FC jeff Jas" herausgeschnitten, was ich persönlich bedauere.

Den überaus positiven Gesamteindruck der beiden abschließenden Rockpalast-DVDs von und mit BAP soll das jedoch nicht schmälern. Abzüge gibt es lediglich für die etwas lieblose Aufmachung und die schwachen Bonusfeatures (die in der Ausgabe von 2006 wiederum nur die Trailer der übrigen sechs DVDs zu bieten haben). Trotzdem lohnt es sich allemal hier zuzugreifen. Denn immerhin kann man sich nun für kleines Geld die eindrucksvolle Rockpalast-Geschichte von BAP komplett zu Hause ins Regal stellen.

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