Bob Dylan

No Direction Home

Veröffentlicht: 10.11.2005 / Paramount Pictures

Von: Torsten Schlimbach

Bob Dylan

Bob Dylan ist ohne Zweifel eine Musiklegende. Seine Songs sind bekannt wie die sprichwörtlich bunten Hunde – ob nun aus seinem Munde oder auch als Cover-Versionen oder Interpretationen durch seine Kollegen. Den Menschen Bob Dylan kennen nur sehr wenige. Über das Privatleben dieses Ausnahmekünstlers und Poeten ist so gut wie nichts bekannt. All die Jahre ist es ihm immer relativ gut gelungen, sein Privatleben von der Öffentlichkeit fernzuhalten. Eigentlich mehr als erstaunlich. Für den Zweiteiler von Hollywoods Ausnahmeregisseur Martin Scorsese (Taxi Driver, Goodfellas, Casino, Gangs of New York) gewährte Bob Dylan im Jahre 2000 das erste gefilmte Interview seit 20 Jahren! Schon letztes Jahr gab uns der Meister mit seiner Autobiografie „Chronicles Volume 1" ein paar Einblicke über einzelne Phasen seines Lebens. Die nun vorliegende Dokumentation beschäftigt sich konsequent mit dem Anfang seiner Karriere.

Beleuchtet werden hier die Jahre 1961 bis 1966. Nicht wenige Stimmen sprechen von den kreativsten und wichtigsten Jahren des Musikers. Der Film beginnt in Dylans Heimat Hibbing, Minnesota über New York bis hin zu seinem Motorradunfall im Jahre 1966. Nachgezeichnet wird der Weg von Robert Zimmermann (so sein bürgerlicher Name) anhand von Zeitzeugen, Freunden und Vertrauten. Dylan selbst kommentiert die einzelnen zeitlichen Abschnitte seiner Karriere. Unerlässlich verbunden mit der Geschichte von Bob Dylan ist die Geschichte und Entwicklung der USA. So ist dieser Film doch noch so viel mehr als eine pure Dokumentation eines Musikers. Die politischen Ereignisse seiner Zeit, wie zum Beispiel der Marsch auf Washington D.C. 1963, ganz besonders die Rede Martin Luther Kings, haben Dylan nach eigener Aussage stark beeinflusst. Trotz allem hat sich Dylan nie als Sprachrohr (s)einer Generation gesehen und wollte sich nie instrumentalisieren lassen und lehnte es stets ab, Hintergründe seiner Texte zu erklären. Ebenfalls lehnte er es ab, deutlich Stellung zu beziehen. Joan Baez erklärt im Interview noch mal, dass sie mit dieser Art erhebliche Probleme hatte und dass sie es nicht verstanden hat, warum Dylan, im Gegensatz zu ihr, sich nicht politisch engagierte.

Ein weiterer Hauptteil ist der Entwicklung Dylans vom puren Folk-Sänger (inspiriert durch Woody Guthrie) hin zum Rocker mit einer Band im Rücken gewidmet und den Anfeindungen, denen sich Dylan zum Teil ausgesetzt sah. Von Buhrufen, während seiner Auftritte, über Beschimpfungen wie Judas und Verräter ist alles dabei. Interessant auch der Ausverkaufsvorwurf an ihn, kennt man ja auch in der heutigen Zeit noch. Wer jetzt aber auf Klatsch und Tratsch über den Privatmann Robert Zimmermann hofft, der wird hier keine neuen Erkenntnisse bekommen. Und das ist auch gut so, denn das Schaffen und der Werdegang dieses einzigartigen Musikers ist mehr als fesselnd.

Das Doppel-DVD Set hat neben der Dokumentation noch einiges mehr zu bieten. Daneben gibt es acht komplette Live-Songs, die in anbetracht des Alters der Aufnahmen, in sehr guter Bild- und Klangqualität vorliegen. Vier Live-Songs mit Gesangspartnern sind ebenfalls enthalten. Dazu gibt es einen nicht verwendeten Promotion-Spot für die Single „Positively 4th street". Die Audiospur ist englisch in 5.1 Dolby-Digital Kodierung, was gerade die Live-Szenen noch besser zur Geltung bringt. Untertitel sind selbstverständlich auch anwählbar – und das in 24 Sprachen! Insgesamt ist die komplette Aufmachung und Ausstattung also eine runde Sache.

Nach all den Jahren liegt nun endlich mal eine amtliche Dylan Dokumentation vor und die knapp 3,5 Stunden können nicht nur auf ganzer Linie überzeugen, sondern den Zuschauer sogar fesseln. Die Zeit vergeht wie im Fluge und man hat nach diesen Stunden nicht nur eine Menge über Dylan erfahren, sondern anhand von bewegten und bewegenden Bildern die Geschichte eines Landes und einer Stadt (New York) „miterlebt“. Ein wirklich mehr als gelungener Film. Für dieses beachtliche Zeitdokument auf DVD kann es nichts anderes als die Höchstwertung geben – 9 von 9 Sternen!

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