Deep Purple & Orchestra - Live At Montreux 2011

Muss man noch erwähnen, dass die Geschichte des Montreux Jazz Festivals eng mit der Historie von Deep Purple verknüpft ist? "Smoke On The Water" und Montreux haben Rockgeschichte geschrieben. Hier war es, wo der Blick auf das in Flammen stehende Casino über dem Genfersee der Band 1971 die Inspiration für einen der bedeutendsten Gitarrenriffs der Musikgeschichte gab. Ein Song, den jede Coverband der Welt im Repertoire haben muss und der noch heute zu kuriosen Samplern und Wettbewerben führt, auf denen jede vertretene Band den gleichen Song interpretiert. Und wenn man Ian Paice glauben will, so wurde der Name der Kleinstadt erst durch "Smoke On The Water" weltbekannt und das Festival zu dem gigantischen Musikereignis, das es bis heute ist.
Deep Purple werden weiterhin gerne dorthin eingeladen. Am 16. Juli 2011 war es wieder soweit – und diesmal brachten Ian Gillen & Co. ordentlich Verstärkung mit. Ein komplettes Symphonieorchester unter der Leitung von Stephen Bentley-Klein war mit am Start und stellte mal wieder Deep Purples Faible für orchestrale Momente unter Beweis. Wir erinnern uns nur an das "Concerto For Group And Orchestra", das schon im Jahr 1969 erschien und damals ein Novum für die Welt der Rockmusik war. Im Interview weist Gillan auch schmunzelnd darauf hin, wie unwillig man in London von den klassischen Instrumentalisten aufgenommen wurde.
Inzwischen gehört es schon zum guten Ton, sich orchestral zu verewigen. Man denke da an das peinliche "S & M" von Metallica aber auch an die äußerst gelungene "Genesis Classic"-Umsetzung durch Ray Wilson. Deep Purple gelingt der Drahtseilakt, ihre Musik nicht einfach vom Orchester nachspielen zu lassen, sondern Streicher, Bläser oder das komplette Instrumentarium punktuell einzusetzen und damit die Palette des Dargebotenen zu erweitern, ohne die Rockmusik zu verraten. Die Arrangements verleihen dem Best Of-Programm mit Klassikern wie "Highway Star", "Strange Kind Of Woman", "Lazy", "Perfect Strangers", "Hush", "Woman From Tokyo", "Black Night" und natürlich auch "Smoke On The Water" eine zusätzliche Tiefe und bereiten der Band sichtlichen Spaß, sodass diese Show zweifellos zu den besten Purple-Konzerten ihrer Karriere zählt. Ich persönlich bin ganz von dem düsteren "Knocking At Your Back Door" überzeugt und selbst mit "Rapture Of The Deep" zeigt das Quartett, dass zumindest das zweite Album der Mk-VIII-Besetzung immer wieder ein Ohr wert ist.
Nach 110 Minuten Konzertlänge darf man noch gut 50 Minuten Interviews genießen. Alle fünf Bandmitglieder beantworten Fragen zur Karriere, der eigenen Stellung in der Band, dem Ort Montreux und der Orchester-Idee im Besonderen. Untertitel sind in Deutsch, Englisch, Spanisch und Französisch zuschaltbar.