Der Poet

Falco verstarb im Februar 1998 – die Flut posthumer Veröffentlichungen ist ungebrochen. Aktuell wären da die Live-VÖ "Symphonic" (2008) und die Resteverwertung "The Spirit Never Dies" (2009) zu nennen. Der Erfolg gibt den Herausgebern recht und so verwundert es nicht, dass mit der Literaturszene auch ein gänzlich neuer Bereich den Künstler Falco entdeckt – dokumentiert auf der DVD "Der Poet".
Der völlig neu produzierte Film ist kein in sich geschlossenes Werk, sondern im Prinzip eine Aneinanderreihung kleinerer Doku-Filme, in denen die Rezitation von Falco-Lyrics, O-Töne des Sängers sowie unterschiedlichster Zeitgenossen und diverse Videoclips miteinander vermischt werden. So nehmen Sprachwissenschaftler, Autoren und Literaturwissenschaftler zum literarischen Werk von Falco Stellung und untersuchen seinen Wert in Blickrichtung großer Literatur. Dabei fließen stets biographische Elemente mit ein und besondere Aspekte wie Falcos Form der Sprachkunst und sein Wiener Schmäh werden ausführlich untersucht.
45 Minuten umfasst das größte Kapitel "Falco ist (mehr als) Literatur". Unter anderem werden die Lyrics zu "Männer des Westens", "Anaconda‘mour" und "No Time For Revolution" vorgetragen und wissenschaftlich erklärt. Leider sind die Zwischentexte oft zu abgehoben und fließen an Stellen ein, die den direkten Genuss der Lyrics stören. So lässt man die Texte leider nicht wirken. Hier kann das Bonusmaterial helfen, bei dem man die Rezitationen zum Glück einzeln und allein stehend anwählen kann.
In weiteren Kurzfilmen werden Fragen aufgeworfen ("Was ist Schmäh?", "Ist Falco Kunst?") und Feststellungen getroffen (" Falco als Grenzgänger", "Falco ist emotional") und eine Annäherung an die Antwort versucht. Die Vergleiche gehen von Walther von der Vogelweide über Robert Musil bis zu H.C. Artmann, Ernst Jandl und Heinrich Heine – und die Aussagen der Wissenschaftler und Weggefährten sind stets durchsetzt mit O-Tönen Falcos. Zu Wort kommen Ide Hintze (schule für dichtung), Prof. Dr. Günter Zimmermann, Prof. Dr. Peter Ernst, H.C. Artmann, Ernst Jandl, Paulus Manker, Adlen Siljak (ehem. Falco Student), Horst Bork (Buchautor, langjähriger Falco Manager), Thomas Rabitsch, Markus Spiegel (Falco Entdecker), Helmut Zilk, Niki Lauda, Rob Bolland und viele mehr. Letztlich geht es dann doch mehr um die Person Falco als um seine Lyrics.
Das Bonusmaterial umfasst vier Musikclips, einen Live-Song und fünf besagter Poetry-Aufnahmen. Bis auf "America" werden die Texte dann auch in angemessener Geschwindigkeit vorgetragen, sodass man ihnen gut folgen und den Wert in literarischer Form erkennen kann. Sicher kein Must-have für Falco-Fans, aber doch eine nette Ergänzung für die Sammlung.