Back And Forth

Anfang April erschien mit "Wasting Light" das siebte Studioalbum der Foo Fighters. Erstmals nach fast 20 Jahren arbeitete Frontmann Dave Grohl dabei wieder mit Produzentenlegende Butch Vig zusammen, der schon 1991 bei den Aufnahmen zu Nirvanas "Nevermind" an den Reglern saß. Ebenfalls mit an Bord: Ex-Hüsker Dü Bob Mould sowie der ehemalige Nirvana-Basser Krist Novoselic. Das Besondere: Die Aufnahmen fanden komplett analog (!) in Dave Grohls Garage im kalifornischen San Fernando Valley statt. "Wasting Light" markiert den vorläufigen Höhepunkt in der mittlerweile sechzehnjährigen Geschichte der Foo Fighters.
Diese 16 Jahre voller Höhen und Tiefen dokumentiert die nun vorliegende DVD "Back And Forth". Unter der Regie des Oscar- und Emmy-Preisträgers James Moll entstand ein knapp 100 Minuten langes, ungeschminktes Portrait einer der grössten Rockbands dieses Planeten, das im April hierzulande bereits in einigen ausgewählten Kinos zu bewundern war. Produziert wurde der Film von Nigel Sinclaire. Die beiden haben grossartige Arbeit geleistet. Es gibt Banddokumentationen, die derart langweilig sind, dass es spannender sein kann, einem frisch gestrichenen Gartenzaun beim Trocknen zuzugucken. "Back And Forth" gehört eindeutig nicht in diese Kategorie!
Im Vorspann werden die Jugendjahre der Bandmitglieder per Zeitraffer abgearbeitet. Natürlich fehlt auch ein Rückblick auf Nirvana und die tragischen Umstände von Kurt Cobains Selbstmord nicht. Trotz des Abstandes von 17 Jahren fällt es Dave Grohl ganz offensichtlich immer noch schwer darüber zu reden. Nach Cobains Tod will er zunächst keine Musik mehr machen. Während seiner Zeit bei Nirvana hat Grohl jedoch zahlreiche eigene Songs geschrieben, die er als Demo-Tape aufnimmt und schließlich 1995 unter dem Titel "Foo Fighters" doch veröffentlicht. Die Dinge nehmen ihren Lauf. Er stellt eine Band zusammen, die aus Pat Smear an der Gitarre, Bassist Nate Mendel und Schlagzeuger William Goldsmith besteht. Bei den Aufnahmen zum Nachfolger "The Colour And The Shape" (1997) verlässt Goldsmith die Foo Fighters im Streit, ihm folgt der ehemalige Alanis Morissette-Drummer Taylor Hawkins. Auch Pat Smear steigt aus (und in diesem Jahr wieder ein). Ihn ersetzt kurzzeitig Ex-Scream-Mitglied Franz Stahl und ab 1999 dann endgültig Chris Shiflett. Das noch heute bestehende Line Up ist komplett.
Es folgen exzessive Tourneen, Multi-Platin-Verkäufe, Grammy-Auszeichnungen und der Aufstieg zur stadienfüllenden Band. Alles mit einem hohen Preis bezahlt. Denn 2000 stirbt Taylor Hawkins beinahe an einer Überdosis Heroin und die Foo Fighters fast mit ihm. "Back And Forth" zeigt deutlich, wie sehr sich Dave Grohl damals an die Parallelen zu Kurt Cobain und Nirvana erinnert haben muss. Aber dieses Mal kriegt seine Band die Kurve. Am 6. und 7. Juni 2008 feiern sie ihre beiden bis dato grössten Headlining-Gigs vor jeweils 86.000 Zuschauern im Londoner Wembley Stadion. Ein Jahr später ziehen sich die Foo Fighters für die Aufnahmen zu "Wasting Light" in Dave Grohls Haus zurück...
"Back And Forth" gewährt dem Zuschauer tiefe und ehrliche Einblicke in das Innenleben dieser Band. In diversen Interviewpassagen kommen die Mitglieder des Quintetts, Butch Vig, aber auch William Goldsmith und Franz Stahl zu Wort. Insbesondere die Gespräche mit den beiden letztgenannten machen klar, dass Dave Grohl nicht nur der lustige Symphatiebolzen von nebenan sein kann, sondern genauso gut ein knallharter Bandleader, wenn es der "Sache Foo Fighters" dient. Die DVD beinhaltet zudem frühe (verwackelte) Live-Aufnahmen und beleuchtet die Entstehungsgeschichten der einzelnen Alben bis hin zu "Wasting Light", bei dem sich der ganze Tross mit Kind und Kegel im Nordwesten von Los Angeles versammelt. Davon gibt es teilweise überaus witzige Aufnahmen. Ihren Humor beweisen die Foo Fighters nicht nur in ihren Videos (jüngstes Beispiel: "Walk"), sondern auch im Umgang miteinander. Das meistgebrauchte Wort in "Back And Forth" ist wohl "Fuck".
Im fast 40 Minuten starken Bonusmaterial gibt es weitere kurze, aber aufschlussreiche Interviews. So erfährt man zum Beispiel, dass Nate Mendel keine Noten lesen kann oder warum Dave Grohl das wunderbare "Ballad Of The Beaconsfield Miners" schrieb. Darüberhinaus besuchen wir die Foo Fighters im bandeigenen Studio 606 beim Herumalbern und der Pre-Production zu "These Days". Ebenfalls enthalten sind eine Akustik-Performance von "On The Mend", die Akkordeon-Aufnahmen mit Krist Novoselic bei "I Should Have Known" und ein alternatives DVD-Ende, das mir persönlich sogar besser gefällt. Schließlich sitzen alle in ihren Autos und hören sich Alan Moulders Endmix von "Wasting Light" an. Und wir wissen nun auch endgültig was passiert, wenn sich zwei Schlagzeuger "unterhalten".
Als Dave Grohl 1995 die Foo Fighters gründete hatte er gegen allerlei Widerstände zu kämpfen. Der Erfolg gibt ihm recht und "Back And Forth" dokumentiert eindrucksvoll, dass er in den letzten 16 Jahren tatsächlich (fast) alles richtig gemacht hat. Zum guten Schluss sieht man ihn beim Hausputz. Vielleicht wischt er aber auch nur die Spuren der Vergangenheit auf.