George Harrison - Living In The Material World (2 DVD)

Der Todestag von George Harrison jährte sich am 29. November 2011 zum zehnten Mal. Anlass genug zur Veröffentlichung einer gewaltigen Film-Doku, bei der Altmeister Martin Scorsese Regie führte. Nach der Stones-Hommage "Shine A Light" widmete er sich damit ein weiteres Mal ausführlich einem musikalischen Thema und ließ sich vermutlich viel Zeit, wenn man die Masse an Material von zum Teil bereits verstorbenen Interviewpartnern betrachtet.
Der mehr als dreistündige Film (verteilt auf zwei Silberlinge) beginnt mit Interview-Gedanken zu Harrisons Tod. Überhaupt kommen im Lauf des Films zahlreiche Weggefährten und Freunde des Ex-Beatles zu Wort, darunter Eric Clapton, Terry Gilliam, Eric Idle, George Martin, Paul McCartney, Yoko Ono, Tom Petty, Phil Spector, Ringo Starr und Jackie Stewart.
Weiter geht es mit den Anfängen der Beatles, die anhand von Uralt-Aufnahmen und Fotos dokumentiert werden. Vor allem George Martin erzählt ausführlich von seinen Eindrücken aus dieser Zeit und zeigt sich erneut als der perfekte Beatles-Biograph. Erstaunlich mitteilsam ist auch Eric Clapton, der seine enge Beziehung zu George Harrison mehrfach offen legt. Wenn es auch widersprüchliche Aussagen zu seiner Beziehung mit Harrisons Frau Pattie Boyd gibt, für die Clapton den Song "Layla" schrieb, die aber selbst die Hintergründe ganz anders definiert.
Harrison selbst wird ebenfalls oft in alten Einspielern gezeigt und tut offen kund, wie er sich lange Zeit im Schatten von McCartney und Lennon fühlte, bis er seine weltmusikalischen Einflüsse einbringen konnte und mit Songs wie "Within You, Without You" das indische Sitar-Spiel in die Musik der Beatles einführte oder ihm später eine Komposition wie "Here Comes The Sun" gelang.
Der Film ist nicht geradlinig. Er setzt sich aus Mosaiksteinen der Lebensgeschichte Harrisons zusammen und wechselt oft die Erzählebenen. Man kann ihn sich im Original anschauen oder mit deutscher Synchronisation, die über dem O-Ton liegt. DVD 2 startet mit der Phase, in der Harrison Ende der 80er der indischen Musik den Rücken zukehrte. Dann gibt es einen Zeitsprung zur Trennung der Beatles. Harrison verfügte zu dieser Zeit über unzählige nie verwendete Songs, die Grundlage einer Reihe von Solo-Alben wurden.
Auch die tragischen Geschichten werden nicht ausgespart: Das Attentat zu Silvester 1999 und die langjährige Krebserkrankung, die schließlich zum Tod führte, werden vor allem von seiner zweiten Frau Olivia sehr emotional geschildert. Alles in allem ist es eine sehr ausführliche Doku eines Musiker-Lebens, die möglichst viele Aspekte unter durchaus unterschiedlichen Gesichtspunkten beurteilt.
Als exklusives Bonusmaterial sind außerdem die Musikextras "Dispute and Violence" (sehr experimentell) und "Here Comes The Sun" (leider als Doku-Video mit gesprochenen Erläuterungen) sowie Interviews mit Paul McCartney, Damon Hill (dessen Mentor George Harrison über viele Jahre war) und Jeff Lynne enthalten. Ein umfangreiches Paket – durchaus dem Zusammenspiel zweier Giganten wie George Harrison und Martin Scorsese würdig.