Jeff Buckley

Grace Around The World (2DVD/CD, Ltd. Deluxe Edition)

Veröffentlicht: 05.06.2009 / Columbia / Sony Music

Von: Sascha Knapek

Jeff Buckley

Zwölf Jahre sind mittlerweile vergangen, seitdem Jeff Buckley am 29. Mai 1997 im Wolf River in der Nähe von Memphis, Tennessee ertrunken ist. Den damals 30-jährigen zogen die Aufnahmen für sein zweites Album in die Stadt von Elvis Presley, Muddy Waters oder Johnny Cash. “Grace“, Buckleys Debüt, war zu diesem Zeitpunkt gut zweieinhalb Jahre auf dem Markt und Jeff mit den ersten Aufnahmen zur neuen Platte nicht gerade zufrieden. Er wollte weiter an den Songs arbeiten, an ihnen feilen und ein paar neue schreiben. Das angepeilte Aufnahmestudio fand er an diesem Maiabend nicht und so entschied er sich zusammen mit einem Freund runter an den Fluss zu gehen. Jeff Buckley, charismatisch und impulsiv zugleich, sprang mit seinen dicken Stiefeln in den Wolf River – kurz danach war er tot.

In seinem Heimatland hat der Amerikaner bis heute eine aktive und treue Gefolgschaft. Übersee sowieso, da verstand man ihn und seine Musik schon zu Lebzeiten irgendwie besser als in den USA. Jeff Buckley ist für viele Menschen heutzutage mehr als ein Musiker, er ist ein Mythos, für manche sogar fast eine Religion. Seine Songs leben und das rare, unveröffentlichte Material, dass es von ihm noch gibt, wird von Fans, seiner Mutter Mary Guibert und Wegbegleitern akribisch gesucht, aufbereitet und von Zeit zu Zeit veröffentlicht. Manchmal beschränken sich diese previously unreleased-Momente auf ein bis zwei Songs einer Best Of-Compilation und manchmal, wie in dem Fall der limitierten Deluxe-Ausgabe von “Grace Around The World“, öffnen Guibert und ihre Mitstreiter die Schatztruhe weit und jeder, der für sich mit dem Namen Jeff Buckley etwas verbindet, sitzt mit Trauer im Blick und bewundernder Andacht vorm Bildschirm und lauscht.

Zum 15. Geburtstag des Platin-Albums “Grace“ machte man sich nun daran mit bisher unveröffentlichtem (Privat)Archivmaterial eine Livezusammenstellung der Platte auf die Beine zu stellen. Auf der remasterten CD und der begleitenden DVD findet man von “Grace“, über “So Real“, “Mojo Pin“, dem Leonard Cohen-Cover “Hallelujah“, “Last Goodbye“ und “Love, You Should’ve Come Over“, bis zu “Lilac Wine“ fast alle “Grace“-Tracks – nur das so gut wie nie live gespielte “Corpus Christi Carol“ wurde durch “What Will You Say“ ersetzt. Die Aufnahmeorte sind über die ganze Welt verteilt. Fernsehstudios in London, ein Bahnhofsgebäude in Frankfurt (Buckleys Auftritt bei “Live aus dem Südbahnhof“), ein Club in New Orleans, ein Solo-Auftritt in Tokyo, ein Festival in Belfort. Vieles – auch die auf der DVD zwischengeschalteten Interview-Schnipsel – hat Super8-Charme und man nimmt es den Machern jederzeit ab (und dankt ihnen ausdrücklich für dieses Unterfangen!), dass viel Zeit und Detektivarbeit hinter dem Auffinden einiger Masterbänder und der jeweiligen Rechteinhaber steckte.

Die limitierte Version von “Grace Around The World“ kommt im äußerst dicken und sehr schicken Pappschuber daher. Was sich von Außen schon andeutet, wird beim „Plündern“ der Box dann zur Gewissheit: Hier wurde mit großer Liebe zum Detail gearbeitet und zusammengestellt. Neben den bereits angesprochenen Discs enthält “Grace Around The World“ ein doppelseitiges Riesenposter, ein 23-seitiges Booklet im Großformat, einen durchsichtigen Briefumschlag mit allerhand Memorabilia (z. B. Postkarten, ein All Access-Pass, eine Pressemitteilung vom 10. Juni 1994 und ein Boarding Pass eines Fluges von Los Angeles nach Sydney) und die Krönung, eine weitere DVD mit dem gut einstündigen Film “Amazing Grace: Jeff Buckley“. Das von Buckley-Fans umgesetzte Projekt enthält u.a. O-Töne von David Fricke (Rolling Stone), Mary Guibert, Buckleys ehemaligen Bandmitgliedern und Jeffs Kumpel Chris Cornell (Soundgarden) und jede Menge rares, oft auf Privatsammlungen stammendes, Filmmaterial. “Grace Around The World“, eine äußerst wertvolle Zeitkapsel und eine Veröffentlichung, die dem Andenken Jeff Buckleys würdig ist!

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