Johnny Cash

The Best Of The Johnny Cash TV Show (Deluxe-Edition)

Veröffentlicht: 28.09.2007 / SonyBMG

Von: Sascha Knapek

Johnny Cash

„Hello, I’m Johnny Cash.“ So begann zwischen Juni 1969 und März 1971 jede der 58 auf dem US-Fernsehsender ’ABC’ ausgestrahlten Folgen der „Johnny Cash TV Show”. Die einstündigen Episoden drehten sich um den „Man in Black“ (Premiere feierte der gleichnamige Song übrigens 1971 in einer Folge der Show), seine Familie, seine Gäste und ein Variete-Format das zu dieser Zeit im amerikanischen Fernsehen nicht gerade unüblich war. Was unüblich und besonders war, waren die bereits angesprochenen Gäste die Johnny Cash einlud und seine Leistung immer das zu sagen und zu senden was er dachte und wollte.

Von besagter TV-Show liegt nun eine DVD-Compilation vor. Eine über vier Stunden umfassende „Deluxe Edition“ verteilt sich auf zwei Discs. Die Gästeliste dieser „Best Of“-Auswahl liest sich wie ein Querschnitt der Country/Rock/Folk-Szene der 60er und 70er Jahre. Es würde zu weit führen hier alle aufzuzählen. Ein Blick ins 34-seitige Booklet verrät, dass die DVDs 67 verschiedene Performances beinhalten. Beeindruckend wie Cash es vermochte Musiker zu versammeln, die nicht immer unbedingt auf ein und dieselbe Bühne passten. Er lud ein wer ihm gefiel und redete schon mal über brisante Themen (Rechte von Indianern, Drogen im Musikbusiness...). Scheiß auf Konventionen, scheiß auf TV-Produzenten.

Scheinbar biedere Countrybarden wie Tammy Wynette, Marty Robbins oder Glen Campbell, stehen Songwritern wie Bob Dylan (Stargast der allerersten Show), Neil Young oder Pete Seeger gegenüber. Ray Charles covert unvergesslich „Ring of Fire“, der junge Stevie Wonder trällert „Heaven Help Us All“ und ein schwer kranker, aber vor Lebensfreude nur so sprudelnder Louis Armstrong gibt mit Cash ein Duett vom Feinsten. Generell sind es die Duette, die richtig begeistern. „Oh, Pretty Woman“ mit Roy Orbison, „Polk Salad Annie“ mit Tony Joe White oder der absolute Höhepunkt: „Matchbox“ mit Derek and the Dominos und Carl Perkins. Cash, Perkins und Eric Clapton. Drei Gitarren, drei Stimmen, drei Musketiere. Da ist nichts gezwungen. Man spielt in Johnny Cashs Wohnzimmer, nicht vor einem Millionenpublikum an den Bildschirmen. Zumindest kommt es einem oft so vor und das ist sympathisch. Da schauten auch Jerry Lee Lewis, Creedence Clearwater Revival oder Joni Mitchell gerne vorbei.

Großartig wird es wenn Johnny Cash alleine oder mit Begleitband auftritt und selbst die musikalische Hauptrolle spielt. Der Vorhang geht auf, der Satz „Hello, I’m Johnny Cash“ erklingt und er bringt Nummern wie „Folsom Prison Blues“, „I Walk the Line“, „Working Man Blues“ oder das unverzichtbare „Ring of Fire“. Vor knapp 40 Jahren hatte er damit sofort die ungeteilte Aufmerksamkeit der Zuschauer. 2007 hat sich daran nichts geändert.

Unterbrochen werden die Ausschnitte der Sendungen nur durch kurze, aufschlussreiche Interviews mit u.a. John Carter Cash (Johnnys Sohn) oder Hank Williams Jr. und den Kommentaren des „Gastgebers“ Rubber Duck, ähm Kris Kristofferson. Der Schauspieler und Sänger Kristofferson führt durch das Programm und moderiert die „Best Of“-Momente aus dem ’Ryman Auditorium’ in Nashville, der Ort an dem die „Johnny Cash TV Show“ vor Livepublikum aufgezeichnet wurde. An Bild und Ton nagt teilweise zwar seh- und hörbar der Zahn der Zeit, für TV-Aufnahmen die über 35 Jahre alt sind macht das Set allerdings eine sehr gute Figur.

Auf den ersten Blick war „The Johnny Cash TV Show“ eine relativ kurzlebige Fernsehsendung im Amerika der späten 60er und frühen 70er Jahre. Auf den zweiten Blick verwebte Cash in den 58 Folgen wie Niemand vor ihm alt eingesessene Werte und „Country“-Traditionen, mit einem neuen, kritischeren Amerika. Um den Erzähler der DVD zu zitieren: „Johnny Cash didn’t just ’Walk the Line’, he crossed it!“.

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