The Gospel Music Of Johnny Cash: A Story Of Faith And Redemption

Johnny Cash’s Werdegang glich einer Berg- und Talfahrt. Gefeierter Countrystar, schwere Drogenprobleme, das Image des ewigen Outlaws und sein unerschütterlicher Glaube an Gott sind nur einige Schlagworte für das bewegte Leben des ’Man in Black’. Was mit “The Gospel Music Of Johnny Cash: A Story Of Faith And Redemption“ nun vorliegt ist eine mit Liebe zum Detail gemachte Dokumentation die Cash’s religiös geprägte Geschichte in sieben Kapiteln nach- und durch viel originales Bildmaterial aufbereitet.
Bereichert mit O-Tönen von u.a. John Carter Cash, Marshall Grant (Tennessee Two), Don und Harold Reid (The Statler Brothers), Johnny Cash himself (zumeist aus dem Off) und einem Kurzauftritt von Rick Rubin, bietet die vom Altmeister des US-Newsgeschäfts Dan Rather präsentierte Dokumentation alle paar Minuten interessante Kommentierungen diverser Cash nahestehender Zeitzeugen. Sei es der frühe Tod seines Bruders Jack, Cash’s Air Force-Zeit in Deutschland, seine Berührungen mit dem Katholizismus (durch seine erste Frau Viviane), die mit “I Was There When It Happened“ untermalte Anekdote wie Cash zu seiner ersten Plattenaufnahme kam und wie dabei sein Wunsch Gospelsongs einzuspielen von Sam Phillips abgelehnt wurde, oder ein paar Sätze zur berühmt-berüchtigten ’Million Dollar Quartett’ Jam-Session (bestehend aus Carl Perkins, Elvis Presley, Jerry Lee Lewis und Johnny Cash); der mit altem Bildmaterial, Privataufnahmen und seltenen Schnappschüssen ausgestattete Film beleuchtet einen zentralen Aspekt von Cash’s Karriere.
Wie der Sänger den Drogen (the devil in disguise) mit Hilfe seines Glaubens entsagte wird im Film ausgiebig thematisiert. Ob das verlorene Jahr welches Cash zusammen mit Waylon Jennings in Nashville verbrachte – beide wohnten zusammen und versteckten ihre Drogen voreinander – oder eine Höhle die Johnny mit seiner Gitarre und einem Sack voll Pillen betrat und eigentlich lebendig nicht mehr verlassen wollte, mehr als einmal war er dem endgültigen Abgrund sehr nah. Die Hochzeit mit June Carter, Cash’s legendäre Gefängniskonzerte in Folsom und St. Quentin (unterlegt mit “He Turned Water Into Wine“ und “A Boy Named Sue“), die eigene TV Show auf ABC, etliche Auftritte bei den sogenannten ’Crusades’ des US-Predigers Billy Graham und die Arbeit an Cash’s Jesusfilm “Gospel Road“ bilden weitere Stationen des bekennenden Christen Johnny Cash.
Die kommerziell eher erfolglosen 80er Jahre leiten das Ende der Dokumentation ein. Cash’s langjährige Plattenfirma Columbia trennte sich von ihm, 1983 verletzte ihn ein Strauß beinahe lebensgefährlich, er schrieb ein Buch über Apostel Paul (“Man In White“) und vertonte das komplette Neue Testament. Musikalisch verhalf Johnny Cash erst Rick Rubin Mitte der 90er wieder zurück in die Erfolgsspur. Die unter dem Titel “American Recordings“ bekannten Zusammenarbeiten des Produzenten und des Musikers erschlossen dem Sänger gänzlich neue Hörerschichten und die Liebe zur Musik ließ ihn bis kurz vor seinen Tod im September 2003 nicht los. Das preisgekrönte 2002er Video zum Nine Inch Nails-Cover “Hurt“ zeigt einen äußerst fragilen Cash, der ehrlich und ungeschönt vor die Kamera tritt und das macht was er sein ganzes Leben lang gemacht hat: Beeindruckende Musik!
Johnny Cash’s Songs drehen sich um eine Vielfalt von Themen. Das Leben im Gefängnis, der Umgang mit den Ureinwohnern Amerikas, der Alltag von Bahnarbeitern, Liebe oder Tod. Aber besonders ein Thema beschäftigte den ’Man in Black’ sein ganzes Leben lang: sein Glaube und die Auseinandersetzung mit Gott. Auch wenn manche seiner Statements relativ pathetisch daherkommen (speziell die Aussagen im Rahmen der ’Billy Graham Crusades’) und einem nicht ganz so religiösen Menschen etwas spanisch vorkommen mögen, man nimmt Cash seine Einstellung jederzeit vollends ab. Wen diese – für Johnny Cash ganz persönliche – Beziehung und die Einflüsse auf sein Leben und seine Musik interessiert, findet in der 90-minütigen Dokumentation “The Gospel Music Of Johnny Cash: A Story Of Faith And Redemption“ ein hervorragendes bild- und tontechnisches Nachschlagewerk.