Meat Loaf

Live At Rockpalast

Veröffentlicht: 06.11.2009 / eagle vision / edel records

Von: Andreas Weist

Meat Loaf

Mit "Bat Out Of Hell" haben Meat Loaf und Jim Steinman ein zeitloses Album geschaffen, das auch über dreißig Jahre nach seiner Entstehung nichts von seinem Esprit verloren hat und zu Recht zu den meistverkauften Alben der Musikgeschichte gehört. Die Kollaboration des genialen Musikers und des stimmgewaltigen Sängers ist ein Wechselspiel von inniger Zusammenarbeit und tiefer Zerstrittenheit. Jede Phase, in der beide sich wieder zusammenrauften, führte zu riesigen Erfolgen – auch wenn der Megahit "Bat Out Of Hell" mit dem gigantischen Titeltrack sowie den beiden Epen "You Took The Words Right Out Of My Mouth" und "Paradise By The Dashboardlight" nicht mehr zu toppen war.

Fürs Rockpalast-Archiv wurde die legendäre Aufnahme aus der Offenbacher Stadthalle vom 11. Juni 1978 hervorgekramt. Das Konzert startet mit der Eingangssequenz "Great Boleros Of Fire", die Steinman ursprünglich für das Album kreiert hatte, die aber zunächst nie Verwendung fand. Musicalfreunde werden darin Elemente erkennen, die er später für sein Werk "Tanz der Vampire" verwendet hat.

Meat Loaf lebt von Beginn an die pure Theatralik. Wer ihn einmal live erlebt hat, weiß, dass darin seine große Stärke liegt. Selbst heute, da die stimmlichen Fähigkeiten merklich nachlassen, macht er Vieles durch sein pathetisches und hochemotionales Auftreten wett. Er gibt quasi den Vampir-Darsteller. Düster, dämonisch, mit ausschweifenden Bewegungen und immer ganz im Mittelpunkt der Show. Steinman hingegen drängt sich am Piano in den Vordergrund und übernimmt die gesprochenen Textpassagen – ebenfalls mit dramatischen Gesten. Wir sehen schon zu dieser Zeit zwei absolute Selbstdarsteller auf der Bühne, die eigentlich keinen Platz nebeneinander haben. So wundert es nicht, dass sich die Egos stets in den Vordergrund drängten und die Zusammenarbeit zeitweise auf Eis gelegt werden musste.

Die Bildqualität ist passabel, aber nicht überragend. Trotzdem muss man das Konzert, das zu den ganz Großen der Rockpalast-Reihe gehört und Meat Loaf deutschlandweit bekannt machte, einfach gesehen haben. Der gute Ton entschädigt für einige verschwommene, verwackelte und viel zu dunkle visuelle Passagen. Höhepunkte sind kaum nennbar, da der Set von Beginn an überzeugt. Bis auf "Heaven Can Wait" und "For Crying Out Loud" wird das komplette Album gespielt. Karla DeVito unterstützt Meat Loaf im "Paradise"-Duett und die beiden legen neben der stimmlichen auch eine kultige Knutsch-Orgie hin, die mich die FSK-0-Freigabe fast schon in Frage stellen lässt.

Als Coverversionen gesellen sich "Johnny B. Good" (Chuck Berry) und "River Deep, Mountain High" (Tina Turner) zu den eigenen Hits. Schade eigentlich, dass es nötig war, gerade diese Stücke auch noch ein zweites Mal als Zugabe zu spielen, um die 90 Minuten Konzertlänge zu füllen. Da wären die beiden fehlenden Albumtracks doch die bessere Wahl gewesen.

Als Bonus zur DVD gibt es ein historisches Interview (vermutlich im Umfeld des Konzerts aufgenommen) mit Meat Loaf und Jim Steinman. Leider ohne deutsche Untertitel. Doch einfache Englischkenntnisse reichen zum Verständnis aus. Fazit: Die perfekte Liveumsetzung eines genialen Albums!

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