Man In The Mirror

Natürlich stand zu befürchten, dass nach dem Ableben des "King of Pop" einige halbgare Schätzchen aus den Archiven der Labels und Produktionsfirmen ausgegraben werden, um sie hektisch auf den Markt zu schmeißen und damit den schnellen Euro zu verdienen. Auf den ersten Blick könnte auch die Doku "Man In The Mirror", die zudem mit den Untertiteln "Die Michael Jackson Story" und "Das Leben des King of Pop" versehen ist, unter diese Rubrik fallen. Entstanden ist diese für den Fernsehsender VH1 gedrehte Dokumentation im Jahr 2004 und widmet sich der der Zeit von Jacksons Aufstieg zum Ruhm (mit "Off The Wall" und "Thriller") bis zur Voranhörung im Missbrauchsprozess, die im Januar 2004 stattfand.
Ich vermute, dass die Doku in keinster Weise autorisiert ist, da auf die Verwendung von bekannten Jackson-Songs verzichtet wird bzw. werden muss. Die Rolle des Michael spielt der amerikanische Schauspieler und Komiker Flex Alexander. Dieser macht seine Sache übrigens sehr gut und lässt sein komödiantisches Talent zum Glück außen vor. Die Produktion ist als typisches Biopic im TV-Format etwas hölzern, zum Teil mit abenteuerlichen Schnittfolgen und verunglückten Traumsequenzen, lässt sich aber alles in allem gut anschauen. Die DVD liegt im Original vor – deutsche Untertitel sind zuschaltbar.
Die Story beginnt da, wo die bekanntere Doku "The Jacksons: An American Dream" aufhört. Michaels unglaubliche Solokarriere startet und die Jacksons brechen auseinander. In für eine Fernsehproduktion recht gut dargestellten Szenen wird über den Unfall beim Pepsi-Werbespot berichtet, über die Eröffnung der Neverland-Ranch, über die beiden Ehen und Scheidungen. Der chronologische Abriss ist umfassend.
Die Vorwürfe in Richtung Kindesmissbrauch werden dargestellt und beleuchtet. Dabei geht Regisseur Allan Moyle allerdings weg von der objektiven Berichterstattung und schildert Jackson subjektiv als Menschen, der selbst noch ein kleines Kind ist und Kindern nie etwas zu leide tun würde. Auch die Naivität, mit der Michael dem umtriebigen Filmemacher Martin Bashir Einblick in sein Privatleben gibt, spielt eine wichtige Rolle. So endet der Film mit der berühmten Szene Jacksons auf einem Autodach vor dem Gericht, wo er seinen Fans schwört, alle Anklagepunkte zurückzuweise und einen Freispruch zu erwirken.
Die 83 Minuten Filmlänge finden sich auf dem Silberling ohne jedes Bonusmaterial. Sie können sicher kein Ersatz für diverse Kinofilme sein, die es kurzfristig sicherlich geben wird – doch sie sind zu meiner Überraschung dann doch besser, als ich erwartet hätte. Dies liegt vor allem an der Schauspielleistung von Flex Alexander, der zudem mit gekonnten Tanzeinlagen glänzt. Wer seine Erwartungen runter schraubt (einfache Fernsehproduktion, Original mit Untertiteln) kann hier eine ordentliche Retrospektive mit Erinnerungswert erwerben.