Das Auge hört mit

Nach drei im zeitlichen Abstand von jeweils zwei Jahren erschienen Live-CDs war es an der Zeit, den Spaß, den die Supergroup der deutschen Liedermacher augenscheinlich hat, auch über ein visuelles Medium zu vermitteln. Die Protagonisten selbst bezeichnen das Ergebnis als "bunte Sammlung schöner Tourmomente" – und damit sind natürlich nicht nur die live dargebotenen Songs gemeint.
Labörnski, Rüdi, Pensen, Burger, Fred und Tottovic sind nun schon im sechsten Jahr in der stets gleichen Besetzung unterwegs, um ihre selbst verfassten Songperlen in trauter Runde unters Volk zu bringen. Die Bühne wird zum Lagerfeuer, um das sich die sechs in munterer Runde sitzend gruppieren – möglichst mit akustischer Gitarre bewaffnet. Ob das Publikum nun ein kleiner Club oder ein gefülltes Open-Air-Stadion ist, scheint dabei kaum einen Unterschied zu machen. Hauptsache, die Leute leben die Songs mit und die Interaktion ist stimmig.
Sowohl die aufgezeichneten Songs als auch die dokumentarisch angelegten Zwischenspiele haben was von Mittelstufenklassenfahrt. Da wird in den "Monstergesprächen" über das Selbstverständnis diskutiert – und wie sehr man sich ärgert, wenn Kritiker von einer Comedy-Truppe reden (darum tue ich dies jetzt mal nicht). Es gibt Aufnahmen von Kettenkarussell- und Autoscooterfahrten auf der Wuppertaler Kirmes, von chaotischen Proben und dem heimeligen Backstage-Bereich. Nach 20 Minuten derartiger Gehirnwäsche hat jeder Zuschauer das Gefühl, die Truppe schon seit Jahren zu kennen. Meine Frau wirft einen Blick auf die sechs mit ihren Barhockern und Gitarren und meint nur: "sympathisch". Wie der Titel schon sagt: "Das Auge hört mit".
Die Songauswahl ist vielfältig und durchwachsen. Publikumslieblinge wie "Blasenschwäche" und "Sabine hat auf Sand gebaut denn Horst hat keinen Hunger" sind ebenso dabei wie die fast schon gesellschaftskritischen "Quizmillionär" und "Hartz 4". Man bekommt auf jeden Fall Lust, sich die sechs Kandidaten mal live anzuschauen. Gelegenheit gibt’s ständig:
Herbstour 2009
13.11. Berlin - Frannz Club
14.11. Bremen - Lagerhaus
19.11. Göttingen - Musa (support WRH)
20.11. Hildesheim - Löseke (support WRH)
21.11. HH Markthalle (support WRH)
22.11. Köln - Kantine (support WRH)
23.11. Gießen - Jokus
24.11. Erlangen - E-Werk
25.11. Regensburg - Mälzerei
26.11. Wiesbaden - Schlachthof
27.11. Münster - Sputnikhalle (support WRH)
28.11. Bochum - Matrix (support WRH)
29.11. Bielefeld - Kamp (support WRH)