New Blood - Live In London

Nach dem genialen Studioalbum "New Blood" lässt auch die Live-Umsetzung nicht lange auf sich warten. Tatsächlich kamen die Zuschauer im Londoner Hammersmith Apollo sogar in den Genuss einer Werkschau, die zu diesem Zeitpunkt gerade erst im Entstehen war. Am 23. und 24. März 2011 luden Peter Gabriel und das 46köpfige New Blood Orchestra zum orchestralen Overkill.
"Scratch My Back" hieß das vorherige Werk von Peter Gabriel. In den Augen vieler Fans eine Enttäuschung – wenn es auch hohe musikalische Klasse zeigte. Idee hinter dem Album war es nämlich, dass Gabriel Songs befreundeter Künstler coverte und ihnen seinen ganz eigenen Stempel aufdrückte. Das gelang ihm überraschend gut.
Jetzt ging es aber gar nicht mehr darum, Songs anderer Künstler im neuen Gewand zu präsentieren. "New Blood" liefert 14 Titel aus dem eigenen Solokatalog in neuen, orchestralen Versionen. Peter Gabriels markante Vocals und ein Symphonieorchester wollte man sich nie so recht vorstellen können – doch es funktioniert. Melancholisch, düster, bisweilen romantisch interpretiert er mit rauer Stimme die Songs. Zusammen mit der unverwechselbaren Stimme bringt das Orchester frischen Wind und eine neue Magie in die Stücke.
Schon der Start ins Konzert ist ein Hammer: "Intruder" als düsteres Mega-Highlight, das in der neuen Version noch um ein Vielfaches gewinnt und pure Gänsehaut erzeugt. Insgesamt ist die Umsetzung sehr filigran und die neuen Arrangements offenbaren viele unbekannte Facetten der Stücke. Zusammen mit Komponist und Arrangeur John Metcalfe hat Gabriel jedem einzelnen Track ein neues Gewand gegeben. Das Livekonzert dirigiert Ben Foster – doch zu "In Your Eyes" bekommt auch Metcalfe kurzfristig seinen Platz am Pult.
Der Hitfaktor ist erwartungsgemäß groß. Von "Wallflower" über "Biko" und "Digging In The Dirt" bis hin zu "Solsbury Hill" und "Don’t Give Up" – alles dabei. Gabriels Tochter Melanie und die stimmgewaltige Ane Brun unterstützen den Meister im Background. Zu "Downside Up" gibt es gar ein Vater-Tochter-Duett.
Das Konzert ist mit seinen illustrierenden Grafiken, Animationen und sehenswerten Einspielungen auch optisch ein absoluter Leckerbissen. Ich kann nur von der normalen DVD sprechen, nicht von der 3D-Umsetzung auf Blu-ray. Dafür reicht mein Equipment nicht aus. Muss auch nicht sein – Peter Gabriel liefert einen wundervollen Konzertgenuss in 140 Minuten Länge. Eine 20minütige Doku schließt sich an, in der Gabriel über die 3D-Technik spricht, über die orchestrale Umsetzung und die Songauswahl.
Tracks:
1) Intruder 2) Wallflower 3) The Boy In The Bubble 4) Après Moi 5) The Drop 6) Washing Of The Water 7) The Book Of Love 8) Darkness 9) The Power Of The Heart 10) Biko 11) San Jacinto 12) Digging In The Dirt 13) Signal To Noise 14) Downside Up 15) Mercy Street 16) The Rhythm Of The Heat 17) Blood Of Eden 18) Red Rain 19) Solsbury Hill 20) In Your Eyes 21) Don’t Give Up 22) The Nest That Sailed The Sky