Power! Percussion

Schlagzeuger sind eine ganz besondere Spezies. In Bandkreisen heißt es, sie bekommen immer die besten Frauen ab. Mag sein – stehen sie doch für das Animalische in der Musik. Aber das nur am Rande. Selten sieht man gleich fünf Exemplare dieser Gattung auf einer Bühne. Und im Fall von Power! Percussion noch ganz ohne weitere Mitmusiker. Wie heißt es im Untertitel der Show? "Eine unglaubliche Begegnung der rhythmischen Art“.
Angelehnt ist die Performance der fünf Protagonisten ohne Zweifel an die Perkussionsshow "Stomp", die seit ihrer Gründung 1991 im britischen Brighton weltweit für Furore sorgt. Ähnlich geht nun auch das deutsche Pendant vor: Alles, was einen Rhythmus zu erzeugen imstande ist, wird für die Musik herangezogen.
Die 95minütige Show beinhaltet viele Facetten. "Rainmaker" bildet den subtilen, sphärischen Beginn. Doch schon mit "Carmina", dem großen Gong und Carmina Burana-Klängen vom Band geht es in die Vollen. Erstes Highlight ist eine Darbietung namens "Steps" an vier klanglich aufeinander abgestimmten Stehleitern. Die Schlagzeuger bearbeiten Tritt um Tritt, bieten fantastische Showeinlagen, klettern die Stufen rauf und runter und nehmen sich das große Gerät auch mal quer zur Brust.
Die Choreografie ist perfekt abgestimmt. Ob Eimer ("Buckets"), Kiste ("The Box") oder Plastikrohre ("Plastixx" – vermischt mit futuristischen Klängen vom Band) – die Schlagwerker machen alles zum Instrument, was sich nicht wehrt, und beeindrucken stets aufs Neue. Es sind keine überaus bekannten Namen: Stephan Wildfeuer war mal mit Konstantin Wecker unterwegs, Rudi Bauer trommelt beim Sinfonieorchester des Bayrischen Rundfunks, Hannes Eitner spielt bei der Band "Schweizer", Jürgen Weishaupt durfte gar neben Jürgen Drews den Hofstaat von Mallorca geben und Wolfram Winkel ist Dozent an der Uni Regensburg. So treffen Rock, Schlager und Klassik, Praxis und Lehre aufeinander und verschmelzen zur großen Einheit.
Zusätzlich bietet die Show eine ausgefeilte Licht- und Tontechnik. In "Smokey Rumble" wird die Bühne von beleuchteten Nebelschwaden eingehüllt und "Marimba Jungle" baut mittels Sprachfetzen und Urwaldgeräuschen eine chaotische Kulisse auf, die durch ein Gewitter an Schlaginstrumenten wieder aufgelöst wird. In "Harmony" und "Rhythm Nature" kommt mit dem großen Xylophon auch ein sehr melodisches Instrument zum Einsatz. Trotzdem gewinnt immer die geschlagene Dynamik – bis hin zum furiosen Finale.
Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. "Clap Trap" bietet eine Art A-cappella-Schlagzeug. Als Instrument werden nur Hände und Körperteile eingesetzt. Auch hier: perfekte Choreografie und durchdachtes Arrangement. Faszinierend! Für "You Clap“ wird das Publikum mit einbezogen und zum Nachklatschen von Rhythmuspassagen animiert, deren Schwierigkeitsgrad sich stetig steigert. Zum krönenden Abschluss ist gar ein Kanon der in drei Gruppen eingeteilten Halle drin.
Nur schade, dass die DVD keinerlei Bonusmaterial und auch keine Hintergrundinfos zu den Künstlern enthält. Ich kann euch nicht mal sagen, wo es die DVD zu erwerben gibt – bei amazon ist sie noch nicht gelistet. Schaut bei Interesse am besten unter www.powerpercussion.de