Beyond The Lighted Stage (2 DVD)

Die Kanadier Rush gehören definitiv zu den wichtigsten Bands der Rockgeschichte. Und doch werden sie chronisch unterbewertet und hatten trotz ihrer unzähligen Gold- und Platinalben und einer Vielzahl von Grammy-Nominierungen nie den Status ihrer großen Mitstreiter, von denen sie doch so viele beeinflussten.
Die DVD "Beyond The Lighted Stage" ist eine Musik-Doku, die den Weg des Trios von den Anfängen 1968 (damals noch mit Schlagzeuger John Rutsey) bis in die Gegenwart beschreibt. Die Regisseure Scot McFadyen und Sam Dunn haben sich bereits mit "Iron Maiden: Flight 666" sowie "Metal: A Headbanger’s Journey" einen Namen gemacht und legen auch hier ein großes, durchdachtes Werk vor.
In erster Linie erzählt der Film die Geschichte einer Band – beginnend mit den ersten Auftritten in Kirchenkellern kanadischer Vorstädte bis hin zu den größten Festivals der Welt. Vom ersten Album "Rush", nach dem der Schlagzeuger aus gesundheitlichen Gründen aussteigen musste, bis hin zum aktuellen "Snakes & Arrows". Gespickt ist die Story mit Archivmaterial, vielen Anekdoten und zahlreichen Interviews. Im Prinzip werden allen Studioalben der Band mehr oder weniger ausführlich behandelt.
Vor allem Geddy Lee, Alex Lifeson und (weniger häufig) Neil Peart kommen zu Wort und so ist die Doku auch die Geschichte dreier Menschen, die das Schicksal vor 36 Jahren zusammen geführt hat und die seitdem ein bewegtes gemeinsames Leben führen. Dabei wird einmal mehr deutlich, inwiefern Geddy und Alex die extrovertierten Teile der Band sind, während Neil am liebsten dem Trubel fernbleibt und aufdringliche Fans ihm sehr suspekt sind. Hinzu kommt die Tragödie des Unfalltodes seiner Tochter und des Krebstodes seiner Frau, die im Prinzip das Ende der Band bedeuteten. Sehr emotional wird beschrieben, wie Neil die folgende Zeit durchlebte und auch, wie seine beiden Freunden ihm die Verarbeitungszeit ließen und klar war, dass sie niemals ohne ihn weitermachen würden.
Dritter Aspekt des Werks ist dann der enorme Einfluss von Rush auf die Szene – dokumentiert in Interviews mit Zeitgenossen wie Billy Corgan, Mike Portnoy, Gene Simmons und Tent Reznor, welche die Bedeutung des Trios für ihre eigene Entwicklung deutlich hervor streichen. Die Musik von Rush kommt zwar in den knapp zwei Stunden nicht zu kurz, allerdings werden die Songs wie üblich nur angespielt. Für die kompletten Performances gibt es zum Glück eine Bonus-Disc:
Disc 2 widmet sich einigen Aspekten, die in der Doku aus Zeitgründen zu kurz kamen, beispielsweise der Mode oder Hobbies on the road. Wir bekommen Eindrücke eines Pre-Gig Warm Up und (was das Wichtigste ist) Komplett-Performances einiger Songs. Zwei Stücke von 1974 mit Rutsey am Schlagwerk, dann "La Villa Strangiato" (Pinkpop 79), "Between The Sun And Moon" (Hartford, 2002), "Far Cry" und "Entre Nous" von der "Snakes & Arrows"-Tour und "Bravado" sowie "YYZ" von der R30-Tour.
Mich beeindruckt der Film in seiner umfassenden Sichtweise auf verschiedene Ebenen der Band. Die Bonus-Disc ist eine wundervolle Ergänzung dazu. Meine Empfehlung für einen hervorragenden Musikfilm, der dem Zuschauer die Menschen hinter der Band so nahe bringt.