Take That

Beautiful World Live

Veröffentlicht: 29.02.2008 / Polydor / Universal Music

Von: Andreas Weist

Take That

Hätte das einer vor drei Jahren für möglich gehalten? Am 20.02.2008 gewannen Take That die Brit Awards in den Kategorien "Best Live Act" und "Best Single" (für "Shine") . Damit haben sie die Kategorie "Best Single" bereits zum zweiten Mal in Folge gewonnen. Bei den ganzen mehr oder weniger geglückten Comeback-Versuchen ehemaliger Tanz- und Sing-Gruppen wie den No Angels, den Spice Girls und den Backstreet Boys haben Take That wahrlich den Vogel abgeschossen. Nach elf Jahren Bühnenabstinenz ein Album wie „Beautiful World“ hinzulegen ist schon stark. Dass dieses dann noch zum bestverkauften in der jetzt 18jährigen Geschichte wird, ist der verdiente Lohn.

Robbie Williams? Vermisst keiner. Dessen Rolle hat in Großbritannien längst Newcomer Mika eingenommen, der eine mindestens so starke Bühnenpräsenz hat und zudem über eigene Songwriter-Qualitäten verfügt. Und der Take That-Zug ist für den ehemaligen Mitstreiter wohl auch abgefahren. 2006 lies er die Jungs bezüglich einer gemeinsamen Tour abblitzen. 2007 hatten sie es nicht mehr nötig, ihn zu fragen.

Nachdem bereits die 2006er Stadion-Tour umfangreich per DVD dokumentiert worden ist, geht es nun um die 07er Tour "Beautiful World Live". Schauplatz ist die Londoner O2-Arena, die eine gewohnt gigantische Zuschauerkulisse bietet. In der "Overture" startet man noch sehr verhalten mit einem klassischen Streicherintro und einer Opernarie. Aufwendige Show- und Filmeffekte machen von Beginn an deutlich, wohin der Hase läuft. Take That starten gleich mit einem aktuellen Song – "Reach Out". Die Kulisse ist futuristisch. Angelehnt an SF-Epen wie Metropolis oder 1984. Die vier Sänger lamentieren von Rednerpulten herab und legen damit ganz bewusst den ersten Fokus auf ihre Stimmen statt auf die gewohnten Tanzeinlagen. Die dürfen dann mit "It Only Takes A Minute" folgen – begleitet von einer Gruppe Tänzerinnen und einer beachtlichen Lightshow.

Der Titelsong "Beautiful World" wird fast schon minimalistisch dargeboten. Gary, Mark, Howard und Jason verteilen sich über die Bühne und lassen den Song ganz von ihrer Bühnenpräsenz leben. Ebenso "Patience", das sie am Bühnenrand aufgereiht vom Publikum feiern lassen. Der Backgroundchor der Zuschauer beweist, dass gerade dies der Comeback-Titel der erwachsen gewordenen Boygroup-Jungs war. Er räumte auch gleich mit dem Dancefloor-Image auf und gab die Richtung getragener Popsongs vor.

Zu "Hold On" wird die Story erzählt, wie man vor 16 Jahren im Londoner Limelight-Club vor knapp zwanzig Bekannten auftrat. Das war die Zeit, als die fünf Schönlinge noch vor allem in der großstädtischen Schwulenszene ihr Publikum fanden. "I’d Wait For Life" kommt als von Streichern begleitete Ballade daher, bevor dann das etwas verfremdete, rhythmusbetonte "Relight My Fire" durchstartet. Einer der wichtigsten Discosongs der 90er, dem hier mit einer effektvollen Feuershow neues Leben eingehaucht wird. Theatralische Orchestereinlagen gepaart mit einer beeindruckenden Lasershow leiten über zu "Rule The World" und dem sanft auf Piano begleiteten "Could It Be Magic".

Schon prachtvoll, was dem Publikum hier musikalisch und an Showeffekten geboten wird. Vor allem, wenn man bedenkt, dass die Highlights jetzt erst kommen. Zu "Back For Good" stehen die vier auf einer Plattform inmitten der Zuschauer und lassen sich feiern. Die harmonische Stimmung unter den Protagonisten wirkt nicht gespielt, wenn sie sich vom Publikum abwenden und im Refrain gegenseitig ansingen.

"Everything Changes" wird akustisch gespielt und auch "Wooden Boat" verbreitet einen Hauch von Lagerfeuerromantik. Dann geht "Give Good Feeling" mit Technorhythmen und spektakulärer Tanzshow aber wieder in die Vollen. Mein Höhepunkt ist "Never Forget", das showtechnisch einen Gang der vier Sänger auf dem Laufband durch die Geschichte bietet und reale Elemente gekonnt mit filmischen vermischt. Der Textzeile "We Hope For More" kann ich mich nur anschließen. Ehrlich. In den 90ern konnte ich mit Take That nicht immer etwas anfangen, aber gegenwärtig überzeugen sie mich total. "Shine" und "Pray" runden ein fantastisches Konzertereignis ab.

Die Extras bieten eine sehenswerte 50minütige Doku zur Tour, inklusive der dramatischen Zeit, als Howard Donald während einer Tanzeinlage einen Lungenriss davontrug. Und ganz witzig: die vier schauen sich die Aufzeichnung ihres Auftritts an und geben lustige Kommentare dazu ab. Ein rundum gelungenes 2-DVD-Package!

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