Udo Lindenberg

MTV Unplugged - Live aus dem Hotel Atlantic (2 DVD)

Veröffentlicht: 14.10.2011 / Starwatch / Warner Music

Von: Andreas Weist

Udo Lindenberg

Die deutsche Erfolgsgeschichte des neuen Jahrtausends schreibt ein Mann, der eigentlich schon kurz vor der Pension steht: Udo Lindenberg legte zunächst mit "Stark wie zwei" sein erstes Nummer 1-Album in der langen Karriere vor. Dann wird seit fast einem Jahr in Berlin sein Musical "Hinterm Horizont" gespielt – ein musikalisches Werk mit Sinn, Verstand und historischem Background. Kaum zu glauben: Man kann ein deutsches Musical schreiben, ohne es in eine hanebüchene Pseudostory zu verpacken. Und jetzt "MTV unplugged" – wieder Nummer 1 in den Charts. Im Vorwort zur DVD beschreibt Benjamin von Stuckrad-Barre die enge Verbindung, die Lindenberg und sein Produzent, Arrangeur und Seelenverwandter Andreas Herbig zueinander haben. Solch eine Symbiose braucht es, um künstlerische Genialität zu erwecken.

Udo zieht den Stecker und es entsteht ein überwältigendes Werk. Jetzt auch visuell zu bewundern für alle, die nicht live dabei sein konnten. Für jeden – und vor allem jeden deutschen – Künstler ist dies der musikalische Ritterschlag. Wer es hier her geschafft hat, wird zur Ikone im Showbusiness. Für den Mann mit Hut war es Anfang Juni 2011 so weit: Udo präsentierte neue und alte Hits in ganz neuem Ambiente und mit ganz neuen Arrangements. Sehr fein und virtuos klingt das Ergebnis. Mal orchestral, dann wieder durch und durch akustisch – und zum Ende hin darf auch das Panik Orchester ran. Allerdings geht man nicht auf Nummer sicher: "MTV unplugged" ist kein Best-Of-Album mit Hit an Hit. Vielmehr nutzt Udo die Chance, auch mal ganz altes, für den Mainstream-Hörer gänzlich unbekanntes Material auszupacken und quer durch sein ganzes Repertoire zu reisen. "Good Life City" gibt es da aus der Zeit, als der Gute noch englisch sang, und mit "Das Leben" einen komplett neuen Song.

Das Konzert fand am 3. Juni im Kampnagel in Hamburg statt. Dort hatte man in erstaunlicher Detailarbeit das Foyer des Atlantic-Hotels nachgebaut. Mit funktionierenden Aufzügen und Drehtüren, gut ausgestatteter Bar und vielen netten Details. Im Konzertfilm spielen auch die Stadt Hamburg und das Hotel eine große Rolle. Immer wieder werden Außenaufnahmen gezeigt, Udo an der Alster oder in den Hotelzimmern. Kleine Einspieler lassen die musikalischen Gäste zum Hotel anreisen und feine Anekdoten in Taxi oder Lift erleben. So wird das Konzert zur schönen Einheit und lässt sich wie ein Film anschauen. Überhaupt ist die illustre Schar an musikalischen Gästen ein Highlight. Die liest sich wie ein Who-is-who der gegenwärtigen Musikcharts: Jennifer Weist (von Jennifer Rostock) ist ebenso dabei wie Alina Süggeler (Frida Gold). Wir erleben Inga Humpe und Jan Delay. Und Multitalent Stefan Raab gibt sich bei den Klassikern "Jonny Controlletti" und "Honky Tonky Show" am Schlagzeug die Ehre. Beste Kollaboration ist für mich "Cello" im ganz neu und ungewöhnlich erklingenden Arrangement mit Clueso.

Musikalisch  wird jeder seine ganz persönlichen Highlights ausmachen. Mir gefällt das immer noch hart an der Grenze zum Kitsch wandelnde "Wozu sind Kriege da", das auch schon in den 80ern zu meinen deutschen Lieblingssongs zählte. Dann das funky-verzauberte "Reeperbahn 2011" und die verträumten Balladen "Was hat die Zeit mit uns gemacht", "Horizont" und "Ich schwöre". Auch wenn die leisen Töne überwiegen, gibt es doch locker eingestreute Kracher wie "Mein Ding", "Candy Jane" und "Alles klar auf der Andrea Doria". Was die Songauswahl angeht, hat Udo alles richtig gemacht.

Die Bonus-DVD hat als Hauptpunkt ein halbstündiges "Making Of MTV unplugged", das die Geschichte vom Ticketverkauf über Bühnenbau bis hin zu Proben und Konzerten zeigt. Fans kommen zu Wort, musikalische Mitstreiter, natürlich Andreas Herbig und vor allem der Meister selbst. Eine Doku, die schon ein kleines Kunstwerk für sich ist und die menschliche Seite der Produktion zeigt. Dazu gibt es zwei Bonussongs: "Gerhard Gösebrecht" von Udos "Ball pompös" mit Außerirdischen-Story und "Das kann man ja auch mal so sehen" mit einem sehr blues-orientierten Panikorchester. Auch schön! Zum Abschluss gibt es noch die obligatorische Diashow. Eine meisterliche DVD ohne Schwächen.

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