Various Artists

A Technicolor Dream

Veröffentlicht: 10.10.2008 / eagle vision / edel records

Von: Andreas Weist

Various Artists

Wer Nick Masons oder Barry Miles’ Insiderberichte zu Pink Floyd gelesen hat, weiß um die Relevanz, die die Londoner Underground-Bewegung für Entstehung und Entwicklung einer Band wie Pink Floyd hatte. Was war das für eine Zeit, als Roger Waters seine Kommilitonen auf eine Bandgründung ansprach, als aus den Cliquen aus Cambridge und London eine verschworene Gemeinschaft wurde? Wie verliefen die ersten Auftritte von „The Pink Floyd Sound“, die vor allem durch ihre psychedelische Lightshow auffielen?

Die Dokumentation "A Technicolor Dream" ist die Geschichte dieser Untergrundbewegung in England während der 60er Jahre, die am 29. April 1967 mit „The 14 Hour Technicolor Dream“, einem die ganze Nacht dauernden musikalischen Happening im Alexandra Palace, ihren Höhepunkt hatte. Damals durften Pink Floyd aufgrund ihrer Ausnahmestellung in der Szene den Headliner geben und (noch mit Syd Barrett) einen glanzvollen Höhepunkt ihrer ersten Ära erleben.

Im Londoner Underground gehörten die Floyds zunächst noch nicht als Protagonisten sondern eher als Konsumenten dazu. In der Doku wird die Szene der Hauptstadt detailliert beleuchtet: Die politische Bewegung, der UFO-Club und das erhöhte Aufkommen des Konsums synthetischer Drogen sind Wegmarkierungen dieser psychedelischen Richtung, die ihre Unzufriedenheit mit dem Establishment in außergewöhnlichen Events inszeniert. 17 Dichter fanden sich beispielsweise zu einer Lesung in der Royal Albert Hall ein und erreichten dort Tausende Zuschauer in einem drogengeschwängerten Happening. Und da waren die vielen Auftritte neuer Bands im Marquee-Club und schließlich natürlich Pink Floyd mit ihrer experimentellen, psychedelischen Musik als Hausband des UFO-Clubs. Floyd wurden schnell zum Aushängeschild der Szene – vielleicht deshalb, weil gerade sie die Elemente Kunst, Musik und Lyrik zu einer untrennbaren Einheit verschmolzen.

Die Doku berichtet in 90 Minuten Länge von dieser Zeit und bedient sich Originalaufnahmen und aktueller Interviews mit Zeitzeugen wie Roger Waters, Nick Mason, Pete Jenner, Joe Boyd und Barry Miles. Zum Kontrast werden in Bezug zu den alten Aufnahmen immer wieder Bilder des gegenwärtigen London gezeigt. Die Geschichte ist spannend erzählt und komplett deutsch untertitelt. Allein: Die Musik kommt etwas kurz. Schade.

Dafür entschädigen zumindest Pink Floyd mit den Videos zu „Arnold Layne“ (einem Promofilm) und „Astronomy Divine“ (in einer Liveaufnahme), die einen hohen künstlerischen Wert aber miserable Tonqualität haben. Am besten kommt noch „The Scarecrow“ rüber, bei dem sowohl Sound als auch die farbige Bildqualität gut konsumierbar sind.

Weiterer Bonus sind die Interviews mit den fünf genannten – nicht zerstückelt, wie in der Doku, sondern am Stück: Roger spricht ausführlich über Pink Floyd, Syd und die Underground-Bewegung. Nick widmet sich allgemein dem London der 60er und dem großen Einfluss von LSD. Pete erzählt hauptsächlich von Syd und seinem Zusammenbruch. Joe gibt erneut einen kurzen Einblick in die Drogenwelt und Barry gibt mit dem „Vermächtnis der 60er“ sein großes Fachwissen preis.

Wer sich schon immer mal näher über die 60er Jahre in London und die frühe Phase einer der besten Bands unseres Planeten informieren wollte, liegt hier genau richtig. Eine bildreiche Ergänzung zu den biographischen Büchern von Nick Mason und Barry Miles.

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