From The Basement

Ein durchaus interessantes Konzept hat man sich da einfallen lassen: In der Serie „From The Basement“ wird die absolut reine Musik in den Vordergrund gestellt und man verzichtet bei den Livedarbietungen der Bands auf Firlefanz wie Produktion, Lightshow oder gar Publikum. Nein, die Künstler befinden sich allein im Studio – wie in einer Black Box, die hier eher zur Red Box mutiert – und performen live ausschließlich für die Kameras und den Zuschauer auf dem heimischen Sofa oder vor dem Computer. Ausgestrahlt wird die in London aufgezeichnete Show als Podcast oder wahlweise als TV- Sendung auf Sky Arts. Die vielfältigen Auftritte diverser Künstler vor allem aus der alternativen Ecke finden sich hier erstmals im DVD-Format. DTS und Dolby Surround sorgen für ein ordentliches Klangerlebnis.
Den Anfang und den Abschluss macht Thom Yorke, zu Beginn mit Radiohead in seiner sanften, zärtlichen Introvertiertheit, die wie geschaffen für die intime Performance ist. Den Abschluss zelebriert er solo am Klavier und hebt seine Stimme in höchste Sphären. Genial! Energiegeladen melden sich die Garagenrocker White Stripes zu Wort. Wie gewohnt zu zweit, Jack mit schwarzem Hut an Mikro und Gitarre, Meg im roten Kleid als überaus aggressive Schlagwerkerin. Nach und nach finden sich die unterschiedlichsten Stars und Talente ein. Beck tritt mit disharmonischem Gesang hervor, während seine Bandmitglieder tanzen und den leeren Raum zelebrieren. Noch cooler kommt Jamie Liddel daher, der allein am Synthesizer sitzt, seine Instrumente mit dem Mund erzeugt und in einen immer ausgedehnteren Loop einfügt. Das ergibt ein faszinierendes Klangexperiment, zu dem er schließlich pathetisch singt. Ein Fest für Augen und Ohren.
The Shins wirken da fast schon normal mit ihrer gitarrenlastigen Performance, während Jarvis Cocker einen extrovertierten Ausdruckstanz für die Kamera hinlegt. Neil Hannon liefert eine melodische Gitarrenballade ab. Auch Laura Marling findet sich allein an der Gitarre, lässt aber sehr melancholische Klänge walten. Sonic Youth, Albert Hammond Jr. Und die Super Fury Animals geben dem Ambiente eher den Anstrich einer Bühne. Mark Oliver Everett von Eels sitzt allein auf einem Stuhl, wahlweise an Gitarre oder Piano, wobei „It’s A Motherfucker“ eine überaus weiche Melodie zum bösen Text bietet.
Auch P.J. Harvey versucht sich allein an Gitarre und Piano. Zu „The Devil“ baut sie interessanterweise ein Metronom als Rhythmusinstrument mit ein und imitiert mit ihrer Stimme Streicherklänge zum Stakkato-Piano. Vor allem die Einzelkämpfer versuchen, ihrem Auftritt einen besonderen Touch zu geben und schwelgen oft in Melancholie. Damien Rice kniet gar für zwei Songs mit der Gitarre vor dem Mikro und singt mit zerbrechlichen Vocals, die jedes Herz erweichen müssen.
“From The Basement” funktioniert sehr gut als Konzept und gibt spannende Einblicke in die aktuelle Szene – mit einer fantastischen Zusammenstellung, vielschichtigen Auftritten und sehr unterschiedlichen stilistischen Merkmale. Auf jeden Fall wird es nicht langweilig, sich diese DVD anzusehen. Davon darf es gerne noch weitere Ausgaben geben.