Various Artists

Legends - Live At Montreux 1997

Veröffentlicht: 10.10.2005 / Eagle Vision / Edel

Von: Thomas Kröll

Various Artists

Es hat in meinem bisherigen Kritikerleben wohl kaum einmal eine DVD gegeben, die ich in einer solchen Kürze abhandeln konnte. Um genau zu sein bis zu dem Tag, an dem mir „Legends – Live At Montreux 1997“ in den heimischen Postkasten flatterte. Mit einem Wort: Genial! 107 Minuten Musik, zelebriert von fünf absoluten Meistern ihres Fachs. Nun könnte ich euch mit dieser Einschätzung der Dinge bereits getrost alleine lassen, aber das soll hier natürlich nicht der Sinn der Sache sein.

Also, besagte Meister sind Eric Clapton (Gitarre und Gesang), Steve Gadd (Schlagzeug), Marcus Miller (Bass), Joe Sample (Piano) und David Sanborn (Saxophon). Dachte ich bisher eigentlich immer, Branford Marsalis sei das Maß aller saxophonistischen Dinge, sollte ich dieses Urteil nach dem Genuß dieser DVD noch einmal ernsthaft überdenken. Clapton muss man nicht weiter vorstellen, ist er doch neben Stan Libuda der einzige Mensch, der jemals mittels Graffiti auf eine Stufe mit Gott gestellt wurde. Steve Gadd kennen wir von Steely Dan oder Chick Corea, Marcus Miller von Miles Davis und Joe Sample hat Randy Crawford sein „Streetlife“ beschert. Nur um die Sache mal einzugrenzen...

Was dieses Quintett 1997 bei seinem Auftritt im Rahmen des legendären Montreux Jazz Festivals abgebrannt hat, ist mit dem Begriff „Feuerwerk“ nur unzureichend umschrieben. Es ist viel mehr als das! Es ist eine der eindrucksvollsten Demonstrationen aus Jazz und Blues, die ich jemals gesehen habe. Würde man einer der Retortenbands aus der Castingabteilung diverser Fernsehanstalten diese DVD vorführen, würden diese wahrscheinlich (nein, mit Sicherheit!) an eine computergesteuerte Animation aus der Trickfilmschmiede von Pixar glauben. Zumindest aber an ein Vollplayback. Ist aber nicht! Diese fünf Herren beherrschen schlicht und ergreifend noch ihr Handwerk, wobei die Betonung eindeutig auf „Hand“ liegt!

15 Songs haben sie dafür ausgewählt, jeder ein Höhepunkt für sich. Da heisst es dann nur noch staunen, staunen, staunen. Über eine wunderbare Akustikversion von Claptons „Layla“ etwa. Oder über „Snakes“, mit dem mich David Sanborn in seine Arme getrieben hat. Ein grossartiges Solo jagt das nächste, um am Ende wieder zu einem perfekten Ganzen zu verschmelzen. Als hätten die Fünf ihr Leben lang nichts anderes getan, als zusammen auf der Bühne zu stehen. Das ist Melancholie („In Case You Hadn`t Noticed“) und brodelnde Emotion („Groovin`“) und alles gleichzeitig. Das ist Musik, liebe Freunde! Wer dabei keine ziegelsteindicke Gänsehaut bekommt, dem kann ich auch nicht mehr helfen...

Okay, genug der Superlative! Jetzt lasse ich euch wirklich alleine! Bevor ich aber endgültig gehe, drücke ich euch noch meine Wertung in die Hand. Ihr ahnt es schon... ich verneige mich an dieser Stelle voller Respekt mit der Höchstzahl an Sternen. Wobei neun Stück diesmal eigentlich noch zu wenige sind.

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